Spielplan

UNERSCHROCKEN

Werke von Richter und Tschaikowski

 
Ob beim Spiel auf dem Mont Blanc oder auf der Konzertbühne, Gautier Capuçon scheut kein Risiko. Sein neuester Coup: die Uraufführung des Cellokonzerts von Max Richter, einem der wichtigsten Filmmusikkomponisten unserer Zeit (u.a. «Hamnet» 2026). Gleich im Anschluss an die Pariser Premiere wird Capuçon das Stück in der Schweiz präsentieren. Im zweiten Teil erklingt Tschaikowskis 5. Sinfonie, die «Schicksals-Symphonie», der musikalische Spiegel einer krisendurchbebten Zeit, ein Ringen zwischen Todesahnung und Lebenshunger. Mutige Hörer*innen voran!



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Ich habe zwar keine Synästhesie, aber ich glaube, wenn Musik wirklich intensiv ist, geht es fast über das reine Hören hinaus. Wenn man auf einem Konzert ist und dort einfach etwas Unglaubliches passiert, ist es nicht nur das Hören: Es ist eher ein Gefühl, das den ganzen Körper erfasst, oder? Man wird in eine andere Welt entführt, und alle Sinne verschmelzen irgendwie miteinander.
Max Richter

ORCHESTER

ORCHESTRE DE PARIS

1967 gab der französische Kultusminister André Malraux den Anstoss zur Gründung des Orchestre de Paris: in Nachfolge des legendären Konservatoriumorchesters, das seit 1828 existierte und in seiner langen Geschichte eine Vielzahl neuer Werke aus der Taufe gehoben hatte, darunter die Symphonie fantastique von Berlioz und Francks Sinfonie d-Moll. Spielstätte des Orchesters ist seit 2015 die Philharmonie de Paris im Nordosten der Stadt. Für internationalen Anstrich sorgen neben zahlreichen Tourneen und Gastspielen vor allem seine Künstlerischen Leiter, von denen in der Vergangenheit einige aus Deutschland kamen (Karajan, Dohnányi, Eschenbach), die aktuellen hingegen aus dem Ostseeraum. Den Anfang machte 2010 Paavo Järvi; 2027 wird Klaus Mäkelä den Taktstock an seinen finnischen Landsmann Esa-Pekka Salonen weiterreichen.


DIRIGENT*IN

ANDRÉS OROZCO-ESTRADA

Andrés Orozco-Estrada, Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Gür zenich-Kapellmeister, vereint iefes Musikverständnis und präzise Technik mit einer überbordenden Freude an der Musik. In Medellín (Kolumbien) geboren, begann Orozco-Estrada seine musikalische Ausbildung auf der Violine. Mit 15 Jahren erhielt er ersten Dirigierunterricht und ging 1997 zum Studium zu Uroš Lajovic an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Orozco-Estrada ist Chefdirigent des Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai und ab 2026/27 des Swedish Radio Symphony Orchestra. Zuvor war er Chefdirigent u. a. des Houston Symphony Orchestra und des hr-Sinfonieorchesters. Er gastierte an renommierten Opernhäusern wie der Wiener Staatsoper, der Staatsoper Unter den Linden, der Semper oper Dresden und der Mailänder Scala und arbeitete mit Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem London Philharmonic Orchestra, dem New York Philharmonic, dem Boston Symphony Orchestra, sowie in Asien mit dem NHK Symphony Orchestra und Hongkong Phil harmonic Orchestra.


SOLIST*IN

GAUTIER CAPUÇON

Wie sein älterer Bruder Renaud entschied sich Opus Klassik-Preisträger Gautier Capuçon schon früh für eine professionelle Musikerkarriere. Zunächst studierte er am Pariser Konservatorium, um später zur Cello-Legende Heinrich Schiff nach Wien zu wechseln; die Mitgliedschaft im Gustav Mahler Jugendorchester rundete seine Ausbildung ab. Heute zählt Capuçon zu den gefragtesten Cellisten weltweit, mit einem prall gefüllten Terminkalender von Japan bis zu den USA. Innerhalb weniger Jahre spielte er die Konzerte von Dvořák, Prokofjew, Schostakowitsch und Lutosławski ein, dazu Kammermusik von Schubert bis Fauré. Er ist regelmässiger Gast der Konzertreihe «Martha Argerich and friends» in Lugano, arbeitet seit Jahren mit dem Konzerthaus Dortmund zusammen und gründete 2022 seine eigene Stiftung zur Unterstützung begabter Nachwuchsmusiker.


PROGRAMM

MAX RICHTER: KONZERT FÜR VIOLONCELLO UND ORCHESTER (SCHWEIZER PREMIERE)

Max Richter kennt man vor allem als Komponist von Filmmusik: Mit «Waltz with Bashir» gelang ihm in diesem Genre 2008 der internationale Durchbruch, 2026 erhielt er seine erste Oscar-Nomination für seine Musik zum vielbeachteten Drama «Hamnet». Ausgebildet wurde der Deutsch-Brite aber ganz klassisch in Edinburgh, London sowie bei Luciano Berio in Florenz und führte als Pianist Werke von Reich, Glass und Pärt auf. Gautier Capuçon wiederum, stets auf der Suche nach Repertoireerweiterungen, präsentierte ein kurzes Solostück von Richter auf seiner CD «Gaïa» (2024). Nun findet die Zusammenarbeit der beiden eine Fortsetzung: Für April 2027 ist die Uraufführung von Richters Cellokonzert durch Capuçon geplant, nur wenige Tage später gefolgt von der Schweizer Premiere im Rahmen der Konzerte der Migros-Kulturprozent-Classics.


PETER TSCHAIKOWSKY: SINFONIE NR. 5 E-MOLL OP. 64

Musik als Lebensbeichte: Dieses Merkmal dürfte auf alle drei späten Sinfonien Peter Tschaikowskys zutreffen, am stärksten vielleicht auf die Nr. 5. Denn die übliche sinfonische Verlaufskurve – von anfänglichen Konflikten über Versenkung in die Innenwelt und tänzerische Ablenkung bis zum finalen Durchbruch – wird hier von einem düsteren «Schicksalsthema» überlagert, das jede positive Entwicklung relativiert. Selbst der triumphale Schlusssatz klingt plötzlich unecht, wie unter Zwang.

Dass sich Tschaikowsky, der Aussenseiter, mit diesem Werk seine ureigenen Nöte und Ängste von der Seele schreiben wollte, liegt auf der Hand.


Migros-Kulturprozent-Classics ist Teil des gesellschaftlichen Engagements der Migros-Gruppe: 
engagement.migros.ch

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