Bach und Mozart treffen auf Jazz, Flamenco, Klezmer und kubanische Musik
Niemand ist gerne Aussenseiter. Aber wer vom Rand kommt, betrachtet das Hergebrachte mit anderen Augen. So wie Ara Malikian, der armenisch-libanesische Ausnahmegeiger, der zusammen mit vier kubanischen Musikern das klassische Erbe von Mozart und Bach um Volksmusik, Jazz, Tango und Klezmer anreichert. Diesen Status als «Intruso», Eindringling, reflektiert er in seinem neusten gleichnamigen Programm – und zeigt dabei, was uns alle verbindet: die Sprache der Musik.
ARA MALIKIAN • Violine
IVÁN «MELÓN» LEWIS • Klavier
DAYAN ABAD • Gitarre
IVÁN RUIZ MACHADO • Bass und Kontrabass
PICO MILLÁN • Schlagzeug
Auf den ersten Blick ist es die klassische Violinistenkarriere: Studium in Hannover und London, Auszeichnungen bei Wettbewerben in Berlin, Pamplona, Genua und New York, dazu CD-Einspielungen von Bach bis Sarasate. Aber Ara Malikian ist eben kein «normaler» Geiger: Armenischer Abstammung, aufgewachsen im Libanon, bewegte er sich schon immer zwischen den Kulturen, widmete sich osteuropäischer Volksmusik ebenso wie orientalischen Traditionen, Klezmer, Tango und Flamenco. Er spielte mit Sinfonieorchestern auf der ganzen Welt, aber auch mit der libanesischen Sängerin Fairuz, mit Jazzpianisten und Flamencotänzern. Zu Filmen von Pedro Almodóvar und Carlos Saura lieferte er die Soundtracks. Und auch wenn Malikian mittlerweile in Spanien ansässig ist, führt er weiterhin «A Life Among Strings» – so der Titel einer Dokumentation über ihn.
Der 1974 geborene Iván «Melón» Lewis zählt zu den herausragenden kubanischen Jazz-Pianisten seiner Generation. Klassisch ausgebildet, zog er in den späten Neunzigern nach Spanien, wo ihm an der Seite der Sängerin Concha Buika der Durchbruch gelang. Heute ist Lewis Dauergast bei den bedeutenden Jazz-Festivals von New York, San Francisco, Barcelona und Montreux; 2021 gewann er mit «Voyager» einen Latin Grammy für das beste Latin-Jazz-Album des Jahres.
Schon der Vater von Dayan Abad war ein bekannter kubanischer Gitarrist. Sein Sohn studierte an der Escuela Nacional de Arte in Havanna, bevor er seinen Lebensmittelpunkt nach Madrid verlegte. Abads Markenzeichen ist seine Vielseitigkeit: Er spielt nicht nur solo und in diversen Jazz-Bands, sondern war auch Teil des spektakulären «Sinfonity»-Projekts, in dem zwölf Gitarristen klassische Werke präsentieren. 2005 steuerte er Musik zum Kinohit «Habana Blues» bei.
Auch der Bassist Iván Ruiz Machado ist Teil der grossen kubanischen Musikszene in Madrid. Nach seinem Abschluss an der heimischen Escuela Nacional de Arte in Havanna lebte er zunächst in Wien, bevor er 2009 nach Spanien wechselte. Machado spielte mit so unterschiedlichen Musikern wie Lionel Richie, Pepe Rivero und Iris Camaa zusammen, hat aber auch seine eigene Band, der u.a. Dayan Abad und Pico Pico Millán angehören, sowie ein erfolgreiches Produktionsstudio.
Wie die anderen Band-Mitglieder absolvierte auch Georvis Pico Milián sein Studium in Havanna, bevor er 1998 nach Madrid übersiedelte. Er gilt als einer der besten lateinamerikanischen Drummer der Szene. Schon 2001 gewann er als Musiker mit der Salsa-Legende Celia Cruz einen Latin Jazz Grammy. Es folgten regelmässige Auftritte bei Festivals in Montréal, Tokyo, Washington und New Haven sowie eine Professur für Schlagzeug an der Universität Madrid.
Dass Musik eine universelle Sprache ist, das sagt sich so leichthin. Aber für einen wie Ara Malikian war es eine existenzielle Erfahrung. Nirgendwo gehörte der Geiger richtig dazu: nicht in Armenien, woher seine Eltern stammen, nicht im Libanon, wo er aufwuchs, aber auch nicht im europäischen Westen, wo er studierte. Seine wahre Heimat fand er in der Musik – einer Musik, die sich nicht durch Grenzen und stilistische Abschottung definiert, sondern durch Austausch, Vermischung, gegenseitige Inspiration. Diese Erfahrung bildet die Grundlage von Malikians neuem Programm: «Intruso» bedeutet «Aussenseiter», und das ist positiv gemeint. Es ist der Blick von aussen auf abendländische Musik, auf Musik aus dem europäischen Westen, eine persönliche Reise durch Malikians multikulturelle Identität, eine Bühnenerzählung in Tönen.
Konzert mit Pause. Dauer ca. 2 Stunden. Programmdetails folgen.