Über uns

Geschichte

Die Konzertreihe Migros-Kulturprozent-Classics blickt trotz neuem Namen und Erscheinungsbild auf eine über 65-jährige Geschichte zurück. Früher war die von der Migros veranstaltete Konzertreihe unter dem Namen "Klubhaus-Konzerte" bekannt. Schon bald nach der Gründung hatten sich die Auftritte bekannter ausländischer Orchester einen festen Platz in der Schweizer Musiklandschaft erobert. Der alte Name wies noch auf den Ort hin, an dem alles begann: im Klubhaus der Migros.
Im Juni 1947 eröffnete die Migros ihr Klubhaus für die Schule der Erwachsenen in einem inzwischen abgerissenen Stadtpalais am General-Guisan-Quai in Zürich. Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler verstand dieses Klubhaus als Biotop eines neuen gesellschaftlichen Lebens nach dem Krieg. Mit dem wirtschaftlichen Wachstum sollte gemäss den Ideen Duttweilers auch eine geistige Weiterentwicklung einhergehen. Aus dieser Vision heraus entstand schliesslich auch das Kulturprozent, das 1957 statutarisch im Unternehmen Migros verankert wurde.
Im März 1948 beauftragte Duttweiler den Berner Filmregisseur Franz Schnyder mit der Leitung der Musikanlässe. Das anfänglich bescheidene musikalische Leben im Klubhaus fand eineinhalb Jahre nach Eröffnung eine feste Kontur in einem eigenständigen Klubhaus-Konzertzyklus mit 24 Konzerten. Im Brückenbauer vom 24. September 1948 wurde dieser unter dem Titel "Grosse Künstler spielen ewige Musik" angekündigt.
Zum 25jährigen Jubiläum der Migros 1950 veranstaltete die Klubhaus-Leitung Fest-Konzerte. Die Bamberger Symphoniker und die Münchner Philharmoniker gastierten in der Zürcher Tonhalle sowie in weiteren Schweizer Städten. Damit waren die Leitlinien der zukünftigen Klubhaus-Konzerte festgelegt: Schweizer Tourneen mit ausländischen Orchestern. Bis heute gastierten rund 250 ausländische Orchester und Chöre sowie unzählige internationale Dirigenten und Solisten bei den Klubhaus-Konzerten.
Unter Toni Stöckli, dem ersten vollamtlichen Leiter der Konzertreihe von 1951-1963, traten Künstler von höchstem Rang an den Klubhaus-Konzerten auf: Herbert von Karajan, Karl Böhm, Sergiu Celibidache, Maria Callas, Yehudi Menuhin, Jascha Heifetz u.v.m. Die einheimischen Orchester empfanden die Präsenz der hervorragenden ausländischen Künstler teilweise als Bedrohung. Es kam vereinzelt sogar zu fremdenpolizeilichen Schikanen: Im Oktober 1953 wurde den Wiener Symphonikern unter Karajan gar der Auftritt in Bern verboten. Stöckli verlegte das Konzert kurzerhand nach Freiburg und liess das Publikum mit Extrazügen dorthin befördern. Die Situation konnte entschärft werden, indem die Klubhaus-Konzerte auch Schweizer Orchester wie das Tonhalle-Orchester oder das Orchestre de la Suisse Romandie auf Tournee in die jeweils andere Sprachgegend führten. Höhepunkt des zehnjährigen Jubiläums 1958 war die Schweizer Erstaufführung von Igor Strawinskys "Threni: id est Lamentationes Jeremiae Prophetae" unter der Leitung des Komponisten selbst.
Die Programmpolitik Toni Stöcklis berücksichtigte neben den Sinfonien auch die grossen Oratorien und Chor-Orchesterwerke neueren Datums (Strawinksy!). Sein Nachfolger Klaus Menzel (1963-1983) konzentrierte sich hingegen mehr auf das klassisch-romantische Sinfonie-Repertoire. Besondere Verdienste holte sich Menzel mit seiner Überzeugungskraft auf den berühmten russisch-jüdischen Pianisten Arthur Rubinstein. Dieser hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg geweigert, in Deutschland oder mit deutschen Künstlern aufzutreten. In vier Klubhaus-Konzerten als Solist des Kölner Rundfunk-Sinfonieorchesters unter Christoph von Dohnányi gelang der versöhnende Handschlag Rubinsteins mit einem deutschen Orchester. Eine weitere Leistung Menzels war die Verpflichtung der ersten russischen Orchester auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, die ebenfalls von fremdenpolizeilichen Problemen und sogar Bombendrohungen begleitet war.
Die lange Ära von Klaus Menzel zeigte gegen Ende gewisse Züge der Erstarrung. 1984 beauftrage die damalige Leiterin des Migros-Kulturprozent, Arina Kowner, den dreissigjährigen Genfer Sängeragenten Jean Cordey (1984-1995) mit der Leitung der Klubhaus-Konzerte. Neue Wege mussten gesucht werden, denn die grossen Orchester waren unbezahlbar geworden. Zudem galt es, neue Publikumskreise zu gewinnen. So entstand die Idee der Dezentralisation dieser Konzertreihe mit zahlreichen Konzerten in kleineren Städten wie Biel, La Chaux-de-Fonds, Lugano oder Visp.
Für diese Dezentralisation wurden vermehrt auch Rundfunk-Sinfonieorchester eingeladen. Diese waren bereit, unbekanntere Werke aus ihrer Heimat vorzustellen. Viele davon waren Schweizer Erstaufführungen. In die Zeit Jean Cordeys fiel auch die neue Konzertreihe mit jungen Migros-Studienpreisträgern sowie die enge Zusammenarbeit mit der aus freischaffenden Schweizer Musikern bestehenden Philharmonischen Werkstatt Schweiz/Orchestre Philharmonique Suisse unter der Leitung von Mario Venzago. Mit diesem Migros-Orchester wurden auch einige Aufnahmen gemacht. Diese verliehen der ab 1990 den Klubhaus-Konzerten angegliederten CD-Reihe Musiques Suisses neue Impulse. Die Operneinspielungen von Othmar Schoecks Venus und Arthur Honeggers Les Aventures du Roi Pausole wurden gar mit internationalen Preisen ausgezeichnet.
1995 wechselte Jean Cordey als Intendant des Orchestre de la Suisses Romande nach Genf. Mit der Wahl des Musikwissenschaftlers René Karlen (1995-2000) als Nachfolger beabsichtigte Migros-Kulturprozent-Leiterin Arina Kowner eine Ausrichtung der Klubhaus-Konzerte auf thematisch konzipierte Programme und einen noch höheren Anteil an zeitgenössischer Musik. So gastierte mit dem Orquestra Filarmonica de Buenos Aires das erste lateinamerikanische Orchester im Rahmen der Klubhaus-Tournee in der Schweiz. Weitere auf zeitgenössische Musik spezialisierte Ensembles wie das Klangforum Wien, das Collegium Novum Zürich und das Ensemble Opera Nova waren Gäste bei den Klubhaus-Tourneen. Beim Label Musiques Suisses kam es ab 1997 zur Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der schweizerischen Musik Grammont für die Herausgabe von Porträt-CDs aktueller Schweizer Komponisten.
Im Jahre 2000 übernahm der ehemalige Leiter der Abteilung Musik beim Schweizer Fernsehen, Armin Brunner (2000-2009) die Geschicke der Klubhaus-Konzerte. Armin Brunner suchte neue Formen der Musikvermittlung durch die Verbindung von Musik mit dem Wort. Den Hauptkonzerten wurden unter dem Titel Zauber des Augenblicks Vorkonzerte vorangestellt, bei denen in einer Wort-Musik-Collage der Zugang zum Hauptkonzert erleichtert werden sollte. Fenster in jene Länder, wo das Komponieren von meisterlicher Musik an politischen Widerständen fast zu scheitern drohte, wurden geöffnet mit Werken von Schostakowitsch, Prokofjev oder Schtschedrin. Im Programm tauchten nicht nur die grossen Namen auf. Bunt und facettenreich war die orchestrale Landschaft besetzt: Weniger bekannte Orchester aus Brünn, Lyon, Gran Canaria, Den Haag, Hannover oder Bordeaux überzeugten mit einer künstlerischen Leistung von bester Qualität.
Mit der Neuausrichtung unter dem Namen Migros-Kulturprozent-Classics, dem neuen Erscheinungsbild und unter der künstlerischen Leitung des Dirigenten und Pianisten Mischa Damev wird ein weiteres Kapitel in der langjährigen Geschichte der Klubhaus-Konzerte aufgeschlagen. Neben den internationalen Künstlern und Orchestern werden neu auch bedeutendes Schweizer Solisten auf der Bühne stehen. Sie erhalten die einzigartige Gelegenheit ihr Können, begleitet von nationalen und internationalen Orchestern, dem Publikum vorzustellen. Die Migros-Kulturprozent-Classics führen damit die langjährige Nachwuchsförderung des Migros-Kulturprozent in der klassischen Musik konsequent weiter.