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Solist

6. - 8. Apr '20

Tournee VI
6. - 8. Apr '20

Denis Matsuev

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Programm

Zu Beginn jedes Konzerts erhalten talentierte Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus der Schweiz Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Eine «Ouvertüre» in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für «Unsere Stars von morgen».


Ouvertüre

Da sind sich die Experten ausnahmsweise einmal einig: ohne «Petruschka» kein «Sacre du Printemps»! Mag das ältere Ballett mit seinem Jahrmarktstrubel und Marionettenabenteuern auch harmloser anmuten als die skandalträchtige Inszenierung heidnischer Riten – kompositorisch haben die beiden Werke viel gemein. Harte Schnitte, Collagetechniken, rhythmische Entladungen, Bitonalität: All dies findet sich bereits in «Petruschka», bloss im Gewand eines Puppenspiels.
Auch die Entstehungsgeschichte beider Werke verlief anfangs parallel: Während der Vorarbeiten zum «Sacre» hatte Igor Strawinski den Einfall, die Erlebnisse einer Holzfigur musikalisch zu gestalten, und zwar als Dialog zwischen Klavier und Orchester. Sergei Diaghilew, für den er den «Feuervogel» geschrieben hatte, brachte eine Ballettversion ins Spiel, und als solche kam «Petruschka» im Juni 1911 in Paris auf die Bühne. Mit enormem Erfolg, wozu nicht nur Strawinski beitrug, sondern auch die Choreografie Michail Fokins, das Dirigat von Pierre Monteux sowie die Leistungen der Tänzer (u.a. Waslaw Nijinski). Von den vier Bildern des Balletts spielen die beiden äusseren im Petersburger Fastnachtstreiben. Zu den vielen Schaustellern, Musikern und Tänzern gesellen sich drei Puppen, die ein Zauberer zum Leben erweckt. Zwischen ihnen kommt es in den mittleren Bildern zu Eifersuchtsszenen, und im Finale wird Petruschka von seinem Rivalen erstochen. Keine Sorge, erklärt der Zauberer der Menge und dem Publikum: Es war doch nur eine Puppe. Aus der Ballettmusik formte Strawinski ohne grössere Eingriffe eine konzerttaugliche Suite.
Mit Solokonzerten tat sich Igor Strawinski zeit seines Lebens schwer. Zur Komposition eines Violinkonzerts musste man ihn regelrecht drängen, sein erstes Klavierkonzert «bürstete» er schon durch den Verzicht auf Streichinstrumente gegen die Tradition. Und das Capriccio, gewissermassen Strawinskis Klavierkonzert Nr. 2, entstand vor allem aus dem Wunsch, sich der Öffentlichkeit als Pianist und Komponist gleichzeitig präsentieren zu können.
Zum spätromantischen Virtuosenkonzert à la Rachmaninow bildet das Capriccio einen radikalen Gegenentwurf: knappe, präzise Formulierungen, entschlacktes Klangbild, klare Linienführung und viel Humor. Der erste Satz beginnt mit einer Gegenüberstellung von Orchesterschlägen und sanfter Melodie, und aus diesem Kontrast von perkussiven und gesanglichen Elementen bezieht er seine Energie. Dass Strawinski dabei munter Ragtime-Passagen und Floskeln aus dem Klavierunterricht mischt, trägt zum Hörvergnügen bei.
Der zweite Satz hat etwas ungemein Sprechendes: Wie bei einer barocken Fantasie werden rezitativische Einfälle immer reicher ausgeschmückt. Und im rondoartigen Schlusssatz dominiert klassischer Etüdenstil, hier natürlich mit einem kräftigen Augenzwinkern vorgeführt. Die Premiere des Capriccios fand 1929 in Paris statt – mit Strawinski als Solist, der sich zudem das exklusive Aufführungsrecht für die folgenden fünf Jahre sicherte. Von der rhythmischen Energie des Werks liessen sich etliche Choreografen zu einer Umsetzung als Ballett anregen.
Für den «Feuervogel» liess Igor Strawinski sogar eine Oper liegen. Im Herbst 1909 hatte der junge Komponist gerade den ersten Akt der «Nachtigall» nach Andersen beendet, als er ein Telegramm von Sergei Diaghilew erhielt: ob er ein Stück für dessen in Paris gastierende Ballettcompagnie schreiben wolle. Strawinski, ausserhalb seiner Heimat noch völlig unbekannt, packte die Gelegenheit beim Schopf und sagte sofort zu. Diaghilew und seine Mitstreiter, der Choreograf Michail Fokin und der Kostümbildner Léon Bakst, hatten Sujet und Handlung des Balletts bereits entworfen. Sie bedienten sich dabei dreier Erzählungen aus der berühmten Sammlung «Russische Volksmärchen»: Iwan Zarewitsch fängt den mythischen Feuervogel, schenkt ihm das Leben und besiegt mit seiner Hilfe den Zauberer Kastschei.
Auf diese märchentypische Konstellation mit klarer Rollenverteilung von Gut und Böse, Hell und Dunkel antwortet Strawinski mit einem ähnlich klaren kompositorischen Rezept, das er freilich bis ins Kleinste ausdifferenzierte: Iwan und seine Braut werden durch diatonische Melodien charakterisiert, Kastschei durch Chromatik, der Feuervogel durch zusätzliche Intervalle. Ein Modell, das Strawinski bei seinem Lehrer Rimsky-Korsakov studiert hatte, wie auch die glänzende Instrumentierung dem Älteren verpflichtet ist. Weitere Vorbilder sind Tschaikowski (Figurenzeichnung) und Mussorgski (der hymnische Schluss); harmonisch dagegen geht das Werk neue Wege. Aus der Ballettmusik stellte Strawinski selbst 1911 eine Orchestersuite zusammen.

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Biographie

Wer den Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb gewinnt, dem ist eine internationale Pianistenkarriere vorgezeichnet. So war es auch bei dem aus Irkutsk stammenden Denis Matsuev, der mit 16 in die Hauptstadt zog und mit 23 dort seinen Ritterschlag erhielt. Seitdem führte ihn sein Weg in die wichtigsten Konzertsäle der Welt, darunter die Carnegie Hall, das Concertgebouw und die Royal Festival Hall. Keines der grossen Festivals, sei es nun Edinburgh, Schleswig-Holstein, die BBC Proms oder Verbier, möchte auf ihn verzichten. In seiner russischen Heimat ist Matsuev mittlerweile selbst als Festivalveranstalter tätig, u.a. beim Musikfest «Stars am Baikalsee». Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Dirigenten Valery Gergiev. Als 2013 das neue Mariinsky Theater eingeweiht wurde, war Matsuev einer der Solisten, und auf dem hauseigenen CD-Label hat er neben Werken von Schostakowitsch und Schedrin auch Rachmaninows 3. Klavierkonzert veröffentlicht.

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