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Orchester

4. - 6. Okt '19

Tournee I
4. - 6. Okt '19

Wiener Symphoniker

Tournee

Konzertdaten und Orte

Interpreten

Programm Genf

Zu Beginn jedes Konzerts erhalten talentierte Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus der Schweiz Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Eine «Ouvertüre» in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für «Unsere Stars von morgen».


Ouvertüre

So manch ein Werk, das heute als Klassiker der Geigenliteratur gilt, hatte es anfangs schwer. Wie die Violinkonzerte Beethovens und Tschaikowskis stiess auch das D-Dur-Konzert von Johannes Brahms (1878) auf Skepsis: Brahms war schliesslich Pianist, kein Streicher. Zudem dachte er in sinfonischen Strukturen, pure Virtuosität war ihm ein Gräuel. Pablo de Sarasate, einer der grössten Geiger seiner Zeit, brachte die Vorbehalte gegen op. 77 auf den Punkt, als er lästerte, er wolle nicht mit dem Instrument in der Hand der einzigen Melodie des ganzen Stücks lauschen.
Bei dieser Melodie handelt es sich um das in der Tat berückende Oboensolo zu Beginn des zweiten Satzes. Was Sarasate verkannte: dass Brahms weder auf gesanglichen Schmelz noch auf instrumentale Brillanz verzichtet, beides allerdings in ein komplexes kompositorisches Gefüge einbindet. Solist und Orchester sind absolut gleichberechtigt, und das von Beginn an: So herrscht im 1. Satz bei der Vorstellung der Hauptthemen geradezu brüderliche Eintracht. Auch im Adagio hat die Oboe zwar das erste, die Sologeige aber das zweite und vielleicht wichtigere Wort, indem sie die Bläsermelodie weiterführt, umformuliert und so den Ablauf des Satzes entscheidend bestimmt. Im Finale treibt Brahms die Gleichberechtigung der Partner augenzwinkernd auf die Spitze: Während die Orchesterinstrumente virtuose Begleitfiguren einwerfen, übt sich der Solist konsequent in Mehrstimmigkeit. Weitere Glanzstückchen aus dem Inventar der Kontrapunktik verbirgt Brahms geschickt hinter dem ungarischen Flair des Satzes.
Zum Sinfoniker wurde Johannes Brahms bekanntlich nicht über Nacht, sondern nach einem jahrzehntelangen, von vielen Rückschlägen geprägten Entwicklungsprozess. Umso enthusiastischer begrüssten seine Anhänger jedes neue Werk, das sie nur zu gern in die Beethoven-Nachfolge stellten. Während Brahms' Erstling Vergleiche mit dessen «Schicksalsinfonie» provozierte, galt die Nr. 2 als seine «Pastorale» und die Dritte als «Eroica» – so zumindest sah es der Premierendirigent Hans Richter.
Tatsächlich schlägt die F-Dur-Sinfonie in ihren Aussensätzen einen kämpferischen Ton an, die künstlerischen Selbstzweifel des Komponisten scheinen endgültig überwunden. Immer wieder, schon in den allerersten Takten, schwankt die Musik zwischen Dur und Moll, und immer wieder setzt sich am Ende Dur triumphierend durch. Das Finale beginnt sogar in überraschender Moll-Düsternis, mit einer bedrohlich orgelnden Figur, deren Verwandlung in strahlendes Dur etwas ungemein Befreiendes hat: wie «ein prachtvolles Gewitter, das uns erhebt und erfrischt», hiess es nach der Uraufführung.
Was Brahms von Beethoven unterscheidet, ist zum einen die Leichtigkeit der Mittelsätze. Andante und Scherzo sind im Serenadenton angelegt, statt Konflikten dominieren hier schwärmerisches Aussingen, melodische Variation, der Wechsel der Klangfarben. Zum anderen arbeitet Brahms wie ein kluger Architekt mit begrenztem thematischem Material, aus dem er die unterschiedlichsten musikalischen Gebilde entwickelt. Nicht umsonst zitiert er am Ende des Finales noch einmal die Anfangstakte der Sinfonie.

Programme Bern und Zürich

Zu Beginn jedes Konzerts erhalten talentierte Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus der Schweiz Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Eine «Ouvertüre» in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für «Unsere Stars von morgen».


Ouvertüre

So manch ein Werk, das heute als Klassiker der Geigenliteratur gilt, hatte es anfangs schwer. Wie die Violinkonzerte Beethovens und Tschaikowskis stiess auch das D-Dur-Konzert von Johannes Brahms (1878) auf Skepsis: Brahms war schliesslich Pianist, kein Streicher. Zudem dachte er in sinfonischen Strukturen, pure Virtuosität war ihm ein Gräuel. Pablo de Sarasate, einer der grössten Geiger seiner Zeit, brachte die Vorbehalte gegen op. 77 auf den Punkt, als er lästerte, er wolle nicht mit dem Instrument in der Hand der einzigen Melodie des ganzen Stücks lauschen.
Bei dieser Melodie handelt es sich um das in der Tat berückende Oboensolo zu Beginn des zweiten Satzes. Was Sarasate verkannte: dass Brahms weder auf gesanglichen Schmelz noch auf instrumentale Brillanz verzichtet, beides allerdings in ein komplexes kompositorisches Gefüge einbindet. Solist und Orchester sind absolut gleichberechtigt, und das von Beginn an: So herrscht im 1. Satz bei der Vorstellung der Hauptthemen geradezu brüderliche Eintracht. Auch im Adagio hat die Oboe zwar das erste, die Sologeige aber das zweite und vielleicht wichtigere Wort, indem sie die Bläsermelodie weiterführt, umformuliert und so den Ablauf des Satzes entscheidend bestimmt. Im Finale treibt Brahms die Gleichberechtigung der Partner augenzwinkernd auf die Spitze: Während die Orchesterinstrumente virtuose Begleitfiguren einwerfen, übt sich der Solist konsequent in Mehrstimmigkeit. Weitere Glanzstückchen aus dem Inventar der Kontrapunktik verbirgt Brahms geschickt hinter dem ungarischen Flair des Satzes.
Jede der vier Sinfonien von Johannes Brahms beginnt anders: schmerzlich zerrissen die erste, friedvoll die zweite, kämpferisch die dritte. Am Anfang der 1885 vollendeten Sinfonie Nr. 4 steht eine Geigenmelodie, so wehmütig und verträumt, als sei sie eben erst erfunden. Spontaner Einfall oder nicht – interessant ist, was Brahms im Verlauf des Satzes aus diesem Gebilde macht. Er benutzt es nämlich als Steinbruch für zahlreiche weitere Themen und Motive, in denen das Kernintervall der Melodie, die Terz, eine entscheidende Rolle spielt.
Das ist typisch für einen Komponisten, der romantische Empfindsamkeit und kühlen Konstruktionswillen in sich vereinigt. Im Finale der Sinfonie treibt Brahms diesen (scheinbaren) Gegensatz auf die Spitze, indem er nach Art barocker Meister ein achttaktiges Thema 30 Variationen unterwirft. Auch hier beruht alles auf der Terz als zentralem Baustein – klanglich aber durchläuft dieser Satz Ausdrucksextreme von erschütternd über zärtlich bis majestätisch. Demgegenüber sind die beiden Mittelsätze der Sinfonie etwas leichtgewichtiger angelegt, als elegisches Andante und turbulent-grimmiges Scherzo. Nichtsdestotrotz verweisen auch sie dank des archaischen Tonfalls (Andante) und kontrapunktischer Techniken (Scherzo) auf Brahms’ kompositorische Doppelstrategie. Nach Anfangsschwierigkeiten setzte sich die Vierte sowohl beim Publikum als auch bei den Fachkritikern rasch durch. Heute gilt sie als End- und Gipfelpunkt nicht nur von Brahms’ orchestralem Œuvre, sondern der romantischen Sinfonie schlechthin.

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Biographie

Die Wiener Symphoniker, im Jahr 1900 als Orchester des Wiener Concertvereins gegründet, machten schon bald durch Ur- und Erstaufführungen bedeutender Werke, wie Bruckners Neunter oder Mahlers Sechster, von sich reden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg mangelte es dem Orchester niemals an Qualität, sondern lediglich an einem eigenen musikalischen Profil. Zu seinen Leitern zählten Dirigenten wie Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch oder Carlo Maria Giulini. Seit 2014 ist Philippe Jordan Chefdirigent der Symphoniker; mit Beginn der Spielzeit 2021 wird Andrés Orozco-Estrada seinen Posten übernehmen. Als Kulturbotschafter Wiens bestreitet das Orchester jährlich mehrere Konzerttourneen ins europäische und aussereuropäische Ausland, mit den Bregenzer Festspielen besteht schon seit 1946 eine erfolgreiche Kooperation. Durch rege Konzerttätigkeit in den Wiener Aussenbezirken, durch Benefiz- und Jugendkonzerte findet zudem eine Rückbesinnung auf die Ursprünge des Orchesters statt, das gegründet wurde, um möglichst vielen Menschen klassische Musik nahezubringen.

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