Interpreten

Orchester

25. - 27. Jan '19

Tournee III
25. - 27. Jan '19

China Philharmonic Orchestra

Tournee

Konzertdaten und Orte

Interpreten

Programm Genf

Zu Beginn des Jahres 1908 wartete der junge Igor Strawinski, Absolvent des Petersburger Musikkonservatoriums, noch auf seinen Durchbruch. Seine Sinfonie Nr. 1 war weitgehend freundlich aufgenommen worden, ansonsten hatte er v.a. Klavierstücke und Lieder geschrieben. Nun stand die Hochzeit zweier Freunde bevor: Maximilian Steinbergs, eines Studienkollegen, und Nadeschdas, der Tochter von Strawinskys Lehrer Rimsky-Korsakow. Für sie komponierte er ein kurzes Orchesterstück: «Feu d’artifice».
Dem privaten Anlass entsprechend steht das Werk noch deutlich in der Tradition Rimsky- Korsakows: strahlend, farbenreich, brillant instrumentiert. Die wirbelnden Drehfiguren, auf- und abschiessenden Skalen der beiden Rahmenteile ergeben ein musikalisches Feuerwerk, das wie sein reales Vorbild in atemberaubender Schnelligkeit vorüberzieht. Eine Atempause bietet allein der zentrale Lento- Abschnitt mit seinen flirrenden, schillernden Klangflächen. Keine vier Minuten dauert dieses orchestrale Glanzstück.
Rimsky-Korsakow, der nur wenige Tage nach der Hochzeit starb, konnte «Feu d’artifice» nicht mehr hören. Wohl aber Sergej Dhiagilew, der Leiter der Ballets Russes in Paris. Vom Talent des jungen Mannes überzeugt, beauftragte er Strawinski 1909 mit der Komposition einer abendfüllenden Ballettmusik, die nicht zufällig ebenfalls den Begriff des Feuers im Titel trägt. Mit dem «Feuervogel» gelang Strawinsky nicht nur der Schritt zur künstlerischen Meisterschaft, sondern auch derjenige ins Herz der europäischen Musikavantgarde, nach Paris.
Elementarste sinnliche Erfahrungen spielten im Schaffen des chinesischen Komponisten Tan Dun schon immer eine zentrale Rolle. Den (Klang-) Themen «Erde» und «Papier» widmete er grosse konzertante Werke; seine «Water Passion», komponiert 2000 zum Gedenken an J.S. Bach, erfordert den Einsatz eines speziellen Wasser-Instrumentariums. Noch einen Schritt weiter ging Tan Dun in seinem «Water Concerto», das die Möglichkeit, mit Wasser Geräusche und Klänge zu produzieren, prominent ins Zentrum des musikalischen Geschehens rückt.
Das Konzert, dreisätzig mit kurzem Prélude, hatte 1999 in New York Premiere. Ein Soloperkussionist, der zwei mit Wasser gefüllte Schalen «bespielt», wird von zwei weiteren Wasserperkussionisten flankiert. Sie erzeugen mithilfe von Gläsern, Flaschen, Röhren und einer Wassertrommel, verstärkt durch Mikrophone, unterschiedlichste Geräusche: ein Gluckern, Tropfen, Klatschen, Fließen, Rauschen, Schmatzen … – komplett integriert in die Klangwelt des traditionellen Sinfonieorchesters.
Dass angesichts dieser ungewöhnlichen Konstellation alles vordergründig Virtuose zugunsten der Erkundung von Natur-Klängen zurücktritt, verwundert nicht. Tan Dun nennt als Ziel seiner kompositorischen Arbeit denn auch die Suche nach dem eigenen Ich. Das Konzert als Reise in die Vergangenheit, zu den Wurzeln sinnlicher Erfahrung: Aus dem Spiel mit Wasser wird ein Nachhorchen und irgendwann ein Nachgestalten. «Wenn ich mich selbst finde», resümiert Tan Dun, «kann ich auch meine Musik finden.»
Bei der Suona handelt es sich um ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, vergleichbar der europäischen Oboe. Ihr Korpus ist etwas kürzer und schmaler, der Schalltrichter breiter und aus Messing oder Kupfer. Wer sie einmal gehört hat, wird ihren durchdringenden, schalmeienähnlichen Ton nicht mehr vergessen. Obwohl die Suona ursprünglich aus Zentralasien stammt, zählt sie schon lange zu den traditionellen chinesischen Musikinstrumenten, vor allem in den nordöstllichen Provinzen Shandong, Hebei und Henan.
Ein berühmter Suona-Spieler des 20. Jahrhunderts war Ren Tongxiang, geboren 1926 im ländlichen Shandong. Von ihm stammt das wohl bekannteste Stück für Suona und traditionelles chinesisches Orchester, «Hundert Vögel in Anbetung des Phönix» (1953). Ren kompilierte hier Volksmelodien seiner Heimat mit einem Solopart, der auf höchst virtuose und bisweilen täuschend echte Weise Vogelstimmen imitiert.
Mit romantischer Naturidealisierung, wie wir sie aus der abendländischen Klassik kennen, hat dieses Verfahren wenig zu tun. Rens Musik ist viel direkter, gegenwärtiger und durchpulst von einer ausserordentlichen Energie. Nicht zufällig steht im Chinesischen der mythische Vogel Phönix für sehr irdische Werte wie Reichtum und Glück. Wir hören das Stück in einer Neubearbeitung für Suona und Sinfonieorchester durch den Komponisten Guan Xia (geb. 1957), der sich vor allem auf dem Gebiet der Filmmusik und der Oper einen Namen gemacht hat.
Für den «Feuervogel» liess Igor Strawinski sogar eine Oper liegen. Im Herbst 1909 hatte der junge Komponist gerade den 1. Akt der «Nachtigall» nach Andersen beendet, als er ein Telegramm von Sergej Dhiagilew erhielt: ob er ein Stück für dessen in Paris gastierende Ballettkompagnie schreiben wolle. Strawinsky, ausserhalb seiner Heimat noch völlig unbekannt, ergriff die Gelegenheit beim Schopf und sagte sofort zu.
Dhiagilew und seine Mitstreiter, der Choreograph Michail Fokin und der Kostümbildner Léon Bakst, hatten Sujet und Handlung des Balletts bereits entworfen. Sie bedienten sich dabei dreier Erzählungen aus der berühmten Sammlung «Russische Volksmärchen»: Iwan Zarewitsch fängt den mythischen Feuervogel, schenkt ihm das Leben und besiegt mit seiner Hilfe den Zauberer Kastschei.
Auf diese märchentypische Konstellation mit klarer Rollenverteilung von Gut und Böse, Hell und Dunkel antwortet Strawinski mit einem ähnlich klaren kompositorischen Rezept, das er freilich bis ins Kleinste ausdifferenzierte: Iwan und seine Braut werden durch diatonische Melodien charakterisiert, Kastschei durch Chromatik, der Feuervogel durch zusätzliche Intervalle. Ein Modell, das Strawinsky bei seinem Lehrer Rimsky-Korsakow studiert hatte, wie auch die glänzende Instrumentierung dem Älteren verpflichtet ist. Weitere Vorbilder sind Tschaikowsky (Figurenzeichnung) und Mussorgsky (der hymnische Schluss); harmonisch dagegen geht das Werk selbstbewusst neue Wege. Aus der Ballettmusik stellte Strawinski selbst 1919 eine Orchestersuite zusammen.

Programm Zürich und Luzern

In der neuen Konzertserie präsentieren wir die besten Studien- und Förderpreisträger Musik des Migros-Kulturprozent. Entdecken Sie jeweils eine Stunde vor folgenden Migros-Kulturprozent- Classics-Konzerten unsere Solisten von morgen in einem halbstündigen Rezital: 28.11.2018, 27.1.2019, 22.3.2019 und 13.5.2019 in Luzern, 25.10.2018, 27.11.2018, 26.1.2019, 20.3.2019, 9.4.2019 und 26.5.2019 in Zürich. Ihr Abonnement oder Ihre Konzertkarte berechtigt zum kostenlosen Eintritt.

Unsere Stars von morgen
Zu Beginn des Jahres 1908 wartete der junge Igor Strawinski, Absolvent des Petersburger Musikkonservatoriums, noch auf seinen Durchbruch. Seine Sinfonie Nr. 1 war weitgehend freundlich aufgenommen worden, ansonsten hatte er v.a. Klavierstücke und Lieder geschrieben. Nun stand die Hochzeit zweier Freunde bevor: Maximilian Steinbergs, eines Studienkollegen, und Nadeschdas, der Tochter von Strawinskys Lehrer Rimsky-Korsakow. Für sie komponierte er ein kurzes Orchesterstück: «Feu d’artifice».
Dem privaten Anlass entsprechend steht das Werk noch deutlich in der Tradition Rimsky- Korsakows: strahlend, farbenreich, brillant instrumentiert. Die wirbelnden Drehfiguren, auf- und abschiessenden Skalen der beiden Rahmenteile ergeben ein musikalisches Feuerwerk, das wie sein reales Vorbild in atemberaubender Schnelligkeit vorüberzieht. Eine Atempause bietet allein der zentrale Lento- Abschnitt mit seinen flirrenden, schillernden Klangflächen. Keine vier Minuten dauert dieses orchestrale Glanzstück.
Rimsky-Korsakow, der nur wenige Tage nach der Hochzeit starb, konnte «Feu d’artifice» nicht mehr hören. Wohl aber Sergej Dhiagilew, der Leiter der Ballets Russes in Paris. Vom Talent des jungen Mannes überzeugt, beauftragte er Strawinski 1909 mit der Komposition einer abendfüllenden Ballettmusik, die nicht zufällig ebenfalls den Begriff des Feuers im Titel trägt. Mit dem «Feuervogel» gelang Strawinsky nicht nur der Schritt zur künstlerischen Meisterschaft, sondern auch derjenige ins Herz der europäischen Musikavantgarde, nach Paris.
Elementarste sinnliche Erfahrungen spielten im Schaffen des chinesischen Komponisten Tan Dun schon immer eine zentrale Rolle. Den (Klang-) Themen «Erde» und «Papier» widmete er grosse konzertante Werke; seine «Water Passion», komponiert 2000 zum Gedenken an J.S. Bach, erfordert den Einsatz eines speziellen Wasser-Instrumentariums. Noch einen Schritt weiter ging Tan Dun in seinem «Water Concerto», das die Möglichkeit, mit Wasser Geräusche und Klänge zu produzieren, prominent ins Zentrum des musikalischen Geschehens rückt.
Das Konzert, dreisätzig mit kurzem Prélude, hatte 1999 in New York Premiere. Ein Soloperkussionist, der zwei mit Wasser gefüllte Schalen «bespielt», wird von zwei weiteren Wasserperkussionisten flankiert. Sie erzeugen mithilfe von Gläsern, Flaschen, Röhren und einer Wassertrommel, verstärkt durch Mikrophone, unterschiedlichste Geräusche: ein Gluckern, Tropfen, Klatschen, Fließen, Rauschen, Schmatzen … – komplett integriert in die Klangwelt des traditionellen Sinfonieorchesters.
Dass angesichts dieser ungewöhnlichen Konstellation alles vordergründig Virtuose zugunsten der Erkundung von Natur-Klängen zurücktritt, verwundert nicht. Tan Dun nennt als Ziel seiner kompositorischen Arbeit denn auch die Suche nach dem eigenen Ich. Das Konzert als Reise in die Vergangenheit, zu den Wurzeln sinnlicher Erfahrung: Aus dem Spiel mit Wasser wird ein Nachhorchen und irgendwann ein Nachgestalten. «Wenn ich mich selbst finde», resümiert Tan Dun, «kann ich auch meine Musik finden.»
Bei der Suona handelt es sich um ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, vergleichbar der europäischen Oboe. Ihr Korpus ist etwas kürzer und schmaler, der Schalltrichter breiter und aus Messing oder Kupfer. Wer sie einmal gehört hat, wird ihren durchdringenden, schalmeienähnlichen Ton nicht mehr vergessen. Obwohl die Suona ursprünglich aus Zentralasien stammt, zählt sie schon lange zu den traditionellen chinesischen Musikinstrumenten, vor allem in den nordöstllichen Provinzen Shandong, Hebei und Henan.
Ein berühmter Suona-Spieler des 20. Jahrhunderts war Ren Tongxiang, geboren 1926 im ländlichen Shandong. Von ihm stammt das wohl bekannteste Stück für Suona und traditionelles chinesisches Orchester, «Hundert Vögel in Anbetung des Phönix» (1953). Ren kompilierte hier Volksmelodien seiner Heimat mit einem Solopart, der auf höchst virtuose und bisweilen täuschend echte Weise Vogelstimmen imitiert.
Mit romantischer Naturidealisierung, wie wir sie aus der abendländischen Klassik kennen, hat dieses Verfahren wenig zu tun. Rens Musik ist viel direkter, gegenwärtiger und durchpulst von einer ausserordentlichen Energie. Nicht zufällig steht im Chinesischen der mythische Vogel Phönix für sehr irdische Werte wie Reichtum und Glück. Wir hören das Stück in einer Neubearbeitung für Suona und Sinfonieorchester durch den Komponisten Guan Xia (geb. 1957), der sich vor allem auf dem Gebiet der Filmmusik und der Oper einen Namen gemacht hat.
Für den «Feuervogel» liess Igor Strawinski sogar eine Oper liegen. Im Herbst 1909 hatte der junge Komponist gerade den 1. Akt der «Nachtigall» nach Andersen beendet, als er ein Telegramm von Sergej Dhiagilew erhielt: ob er ein Stück für dessen in Paris gastierende Ballettkompagnie schreiben wolle. Strawinsky, ausserhalb seiner Heimat noch völlig unbekannt, ergriff die Gelegenheit beim Schopf und sagte sofort zu.
Dhiagilew und seine Mitstreiter, der Choreograph Michail Fokin und der Kostümbildner Léon Bakst, hatten Sujet und Handlung des Balletts bereits entworfen. Sie bedienten sich dabei dreier Erzählungen aus der berühmten Sammlung «Russische Volksmärchen»: Iwan Zarewitsch fängt den mythischen Feuervogel, schenkt ihm das Leben und besiegt mit seiner Hilfe den Zauberer Kastschei.
Auf diese märchentypische Konstellation mit klarer Rollenverteilung von Gut und Böse, Hell und Dunkel antwortet Strawinski mit einem ähnlich klaren kompositorischen Rezept, das er freilich bis ins Kleinste ausdifferenzierte: Iwan und seine Braut werden durch diatonische Melodien charakterisiert, Kastschei durch Chromatik, der Feuervogel durch zusätzliche Intervalle. Ein Modell, das Strawinsky bei seinem Lehrer Rimsky-Korsakow studiert hatte, wie auch die glänzende Instrumentierung dem Älteren verpflichtet ist. Weitere Vorbilder sind Tschaikowsky (Figurenzeichnung) und Mussorgsky (der hymnische Schluss); harmonisch dagegen geht das Werk selbstbewusst neue Wege. Aus der Ballettmusik stellte Strawinski selbst 1919 eine Orchestersuite zusammen.

Jetzt weiterempfehlen

Biographie

Das China Philharmonic Orchestra wurde im Jahre 2000 auf der Basis des chinesischen Rundfunk-Orchesters gegründet und gab sein Debütkonzert am 16. Dezember unter Long Yu. In kürzester Zeit entwickelte es sich zum führenden Orchester Chinas und innerhalb Asiens zum Orchester mit dem grössten internationalen Renommee. 2009 reihte es die Zeitschrift «Gramophone» unter die zehn inspirierendsten Orchester weltweit ein. In den 17 Jahren seiner Existenz hat es über 3000 Werke – viele darunter als Welt- oder China-Premiere – in weit über 1000 Konzerten für ein Millionenpublikum aufgeführt. Mehrere Tourneen führten das Orchester durch Europa, Nordamerika, Kuba und Zentralasien (Seidenstrasse).

Jetzt weiterempfehlen