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Orchester

12. - 13. Dez '19

Tournee III
12. - 13. Dez '19

Freiburger Barockorchester / Zürcher Sing-Akademie

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Programm

Was Beethovens Neunte für die Gattung Sinfonie ist, das ist der «Messias» mit Blick auf das Oratorium: ein Musterwerk, qualitativ ausserhalb jeder Diskussion, Massstab und Herausforderung noch für Generationen von Komponisten. Schon durch sein Thema hebt es sich von den anderen Oratorien Georg Friedrich Händels ab. Weder um eine Figur aus dem Alten Testament geht es noch um eine mythologische Gestalt, sondern um Jesus selbst und damit um den Kern christlicher Weltanschauung. Es ist, als habe Händel in diesem Werk die Summe aus seinen kompositorischen Erfahrungen gezogen – dabei kam seine Oratorienproduktion nach dem «Messias» erst so richtig in Fahrt.
Entstehungsgeschichtlich jedenfalls deutete zunächst eher wenig auf ein Jahrhundertwerk hin. 1741 befand sich Händel in prekärer Situation. Die vergangene Opernsaison war eine Katastrophe gewesen, seine letzten Oratorien, «Israel in Ägypten» (1739) und «L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato» (1740), hatten nur Teilerfolge erzielt. Ein Ortswechsel, ausgelöst durch die Einladung des irischen Vizekönigs nach Dublin, kam da gerade recht. Innerhalb von nur dreieinhalb Wochen schrieb Händel ein neues Oratorium nach einem Libretto von Charles Jennens, den «Messias». Die reduzierte Orchesterbesetzung lässt darauf schliessen, dass er nicht wusste, mit welchen Verhältnissen er vor Ort rechnen konnte.
Auch inhaltlich trug das neue Werk den Stempel des Experimentellen. Anders als in deutschen Ländern – man denke nur an Bachs Passionen – war dem englische Publikum eine singende, agierende Christusfigur offenbar nicht zumutbar. Im «Messias» tritt Jesus daher nicht als Person in Erscheinung, sondern wird aus der Sicht anderer beschrieben. Dem Librettisten fiel die Aufgabe zu, entsprechende Passagen aus der Bibel auszuwählen und im Einzelfall behutsam anzupassen. In den meisten Fällen betraf das den Wechsel von der Ich-Perspektive zur dritten Person: Aus dem «Kommt her zu mir» des Matthäus-Evangeliums wird so ein «Kommt her zu ihm».
Jennens trieb diese Distanzierung aber noch weiter, indem er es generell vermied, Individuen auf die Bühne zu bringen. In seinem Libretto agieren namenlose Sängerinnen und Sänger, und sie tun dies mit betont undramatischen Mitteln, ohne Dialog, ohne jede szenische Anweisung. Gerade diese Massnahmen jedoch, die enge Anlehnung an den Bibeltext und der Verzicht auf alle opernhaften Elemente, wurden von den zeitgenössischen Hörern gelobt. Umso bemerkenswerter, dass Händel unter solchen Voraussetzungen eine Musik schuf, der man innere Dramatik nun wirklich nicht absprechen kann.
Aber was ist nun der Inhalt des «Messias»? Von einer Handlung, wie sie andere Oratorien aufweisen, etwa der direkt im Anschluss komponierte «Samson», kann keine Rede sein. Zentrales Anliegen des Librettos ist der Nachweis, dass es sich bei Jesus von Nazareth, wie er im Neuen Testament geschildert wird, tatsächlich um den verheissenen Messias handelt. Dazu verweist es auf Parallelen zwischen alttestamentlichen Prophezeiungen und deren Erfüllung im Leben Jesu. Im ersten Teil kommen seine Herkunft, seine Geburt und seine Wundertaten zur Sprache, im zweiten wird seine Leidensgeschichte thematisiert. Teil drei weitet den Blick auf die kommende Gottesherrschaft und das ewige Leben, das uns erst durch Jesu Opfergang ermöglicht wird.
Was dem Libretto an äusserlicher Dramatik fehlt, ersetzt Händel durch stilistische Vielfalt. Sie reicht vom hochexpressiven Rezitativ bis zur stillen Klage, von der virtuosen Arie bis zum pastoralen Orchesterstück, vom blockhaften Chorsatz nach Art englischer Anthems bis zur gelehrten Chorfuge. Auch Lutherchoräle finden, zum Teil als Zitat, Eingang in die Komposition, etwa «Wachet auf, ruft uns die Stimme» im berühmten «Halleluja»-Chor. Hinzu kommen, wie üblich bei Händel, zahlreiche Übernahmen aus eigenen und fremden Werken: Mal greift er auf eine Opernarie zurück, mal auf die Klavierfuge eines Kollegen. Und wenn zu Beginn des Werks die Ouvertüre mit ihren harschen Mollharmonien überrascht, so ist das Teil des Konzepts: Nach diesem Gang durch die Düsternis menschlicher Existenz klingt die Prophezeiung des Tenors («Comfort ye»/«Tröstet euch») umso hoffnungsvoller.
Schon bei der Uraufführung im April 1742 in Dublin wurde der «Messias» begeistert aufgenommen. In London gab es anfangs einen Disput über die Darbietung eines zutiefst christlichen Themas in einem weltlichen Theater, aber auch dort konnte man sich der Faszination des Werks nicht entziehen. Nach Händels Tod bildete der «Messias» unangefochten die Speerspitze der britischen Oratorienpflege; 1784 kamen in Westminster Abbey rund 500 Musiker für eine Aufführung zusammen, und zwei Jahre später war das Werk erstmals in Kalkutta zu hören.

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Biographie

Freiburger Barockorchester

Das Freiburger Barockorchester wurde 1987 von Studenten des Geigers Rainer Kussmaul gegründet. Rasch machte man sich als Spezialensemble für Alte Musik einen Namen, spielte auf den einschlägigen Festivals, etwa im niederländischen Utrecht, und trat 1992 erstmals in den USA auf. Mit der Etablierung eigener Konzertreihen in Freiburg, Stuttgart und Berlin (Philharmonie) hat sich das Orchester in den vergangenen Jahren ein treues Stammpublikum aufgebaut. Bei Opern- und Oratorienprojekten arbeiten die Freiburger mit renommierten Dirigenten wie René Jacobs, Ton Koopman oder auch Simon Rattle zusammen, ansonsten übernehmen die Konzertmeister Gottfried von der Goltz und Petra Müllejans die Leitung. Ungewöhnlich ist nicht nur die hohe Zahl von Auszeichnungen für das Ensemble – mehrere Echo-Klassik-Preise, eine Grammy-Nominierung, viele internationale Schallplattenpreise –, ungewöhnlich ist auch die Organisationsform des Orchesters als Gesellschaft bürgerlichen Rechts, mit den Musikern als Gesellschaftern.

Zürcher Sing-Akademie

Dass ein Chor schon in den ersten Jahren seines Bestehens von Weltstars wie Roger Norrington, Daniel Barenboim oder Bernhard Haitink verpflichtet wird, lässt aufhorchen. Aber die Zürcher Sing-Akademie wurde 2011 genau zu diesem Zweck gegründet: als Elitechor, der allerhöchsten musikalischen Ansprüchen genügt. Kurz zuvor hatte sich der renommierte Schweizer Kammerchor aufgelöst, und aus der Not, diese Lücke zu füllen, machte die Sing-Akademie eine Tugend: Als Partner des Tonhalle-Orchesters Zürich und regelmässiger Gast beim Lucerne Festival prägt sie die Chorlandschaft Schweiz und legt zudem grossen Wert auf die Zusammenarbeit mit nicht-professionellen Sängerinnen und Sängern. Höhepunkte der bisherigen Tätigkeit waren Gastspiele bei den BBC Proms 2014 mit Bachs «Johannes-Passion», Beethovens Neunte im KKL, aber auch der Kurzauftritt beim Rolling-Stones-Konzert im Zürcher Letzigrund. Seit 2017 steht der Chor unter der Leitung von Florian Helgath, einem ehemaligen Mitglied der Regensburger Domspatzen.

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