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7. Okt '20

Konzert
7. Okt '20

Vladimir Jurowski

Tournee

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Programm

Beethovens öffentliches Konzert im Theater an der Wien am 5. April 1803 umfasste (unter anderem!) drei neue Werke des Bonner Meisters: Das Oratorium Christus am Ölberg, das 3. Klavierkonzert und die 2. Sinfonie. Während die Presse am Tag nach der Uraufführung kein Wort darüber verlor, gab es nach der Veröffentlichung des Werkes zwei Jahre später in Leipzig hemmungslose Kritiken: «Das ist ein grobschlächtiges Ungeheuer, ein durchbohrter Drache, der unbeugsam weiterkämpft und nicht sterben will (...), obwohl er (im Finale) sein Blut verliert», äusserte sich ein gewisser Spazier.
Ein «Ungeheuer», wirklich? Das so verunglimpfte Werk zeigt keine Spuren der tiefen inneren Krise, die Beethoven 1802 durchmachte, im Jahre des unseligen «Heiligenstädter Testaments». Durch seine unerbittlich zunehmende Taubheit in die Verzweiflung getrieben, schrieb der Musiker seinen Brüdern einen Brief, den er schliesslich nie abschickte: «(...) es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück, ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte (...).» Einen Vorgeschmack dieser schöpferischen Kraft gab Beethoven in seiner Sinfonie in D-Dur, welche im Wesentlichen während dieses Jahres 1802 entstand. «Ich bin nun bereit, auf einer neuen Bahn weiterzugehen», hatte er damals seinem Schüler Carl Czerny anvertraut. Die Neuerungen sind zahlreich und bedeutend in diesem entscheidenden Werk, das sich insbesondere durch eine gewaltige, langsame Einführung, einen ausgesprochen gesanglichen langsamen Satz und ein schwungvolles Finale auszeichnet.
Kaum zu glauben, aber eines der beliebtesten Violinkonzerte der Musikgeschichte, das Ludwig van Beethovens, schlief zu Lebzeiten seines Schöpfers einen Dornröschenschlaf. Nach der halbwegs erfolgreichen Uraufführung Ende 1806 durch den Wiener Geiger Franz Clement, einen Freund Beethovens, wurde es über viele Jahre hinweg kaum noch gespielt. Erst Mendelssohn und der junge Violinvirtuose Joseph Joachim verhalfen dem Werk 1844 in London zur Rückkehr auf die Konzertbühne.
Warum diese sträfliche Missachtung? Zum einen verweigert Beethoven seinem Solisten allen vordergründigen Glanz – ein Schicksal, das op. 61 mit den Violinkonzerten Schumanns und Brahms’ teilt. Zum anderen ist das Stück gestaltet wie eine Sinfonie: Nicht die Themen selbst sind das Entscheidende, sondern ihr Potenzial, also das, was sich aus ihnen machen lässt. Solist und Orchester tragen Melodien vor, die aus den einfachsten Bausteinen zusammengesetzt sind, fast ausschliesslich Tonleitern und Dreiklänge. Und so verlagert sich die Aufmerksamkeit auf den Prozess, auf das Spiel der musikalischen Kräfte.
Und welche Kräfte sind das hier? Eben nicht nur Solist und Orchester, die einander die Bälle zuwerfen. Sondern auch Rhythmus und Melodie: Das Konzert beginnt mit vier einsamen Paukenschlägen, beantwortet von Holzbläsergesang. Und weil die Streicher erst danach in Erscheinung treten, geht es auch um den Gegensatz der Klangfarben. Selbst im burschikosen Finale kommt es zu solchen Überraschungen, wenn der Solist mit einzelnen Instrumentengruppen (den Bässen, den Geigen, den Hörnern usw.) dialogisiert, als wäre das Ganze ein Stück Kammermusik.

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Biographie

Als die Wahl Kirill Petrenkos zum neuen Chef der Berliner Philharmoniker feststand, fragten sich viele, wer wohl seinen Platz am Pult der Bayerischen Staatsoper München einnehmen würde. 2018 fiel die Entscheidung zugunsten Vladimir Jurowskis, und für Insider kam sie nicht überraschend. Jurowski, 1972 in Moskau geboren, gastierte schon mehrfach bei den Münchnern und sorgte, so BR-Kritiker Bernhard Neuhoff, für «magische Momente». Er bringt nicht nur die Erfahrung von Auftritten an sämtlichen bedeutenden Opernhäusern weltweit mit, von London über Paris, Venedig und Berlin bis zu New York, sondern ist darüber hinaus Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra sowie künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Als Principal Artist des Orchestra of the Age of Enlightenment hat er sich intensiv mit historischer Aufführungspraxis auseinandergesetzt. 2018 erhielt er den International Opera Award – übrigens zusammen mit der Bayerischen Staatsoper, seiner zukünftigen Arbeitgeberin.

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