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6. - 8. Mai '18

Tournee VI
6. - 8. Mai '18

Valery Gergiev

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Konzertprogramm Luzern

Allegro tranquillo
Adagio cantabile ma non troppo
Scherzo: Allegro scherzando giocoso
Finale: Andante lugubre


Erst mit 26 Jahren nahm Peter Tschaikowski, der Spätstarter, sein erstes sinfonisches Werk in Angriff. Seine Arbeit als frischgebackener Moskauer Konservatoriumsdozent zwang ihn dazu, hauptsächlich nachts zu komponieren, was ihn bis an den Rand physischer und psychischer Erschöpfung brachte. Und auch als die Sinfonie im Spätsommer 1866 komplett vorlag, dauerte es noch einmal anderthalb Jahre bis zur Uraufführung.

Schon in diesem Erstling zeigen sich die typischen Eigenschaften von Tschaikowskis sinfonischer Sprache: die Orientierung an klassischen Mustern, ganz deutlich im 1. Satz, der zwar einen programmatischen Titel („Träume einer winterlichen Fahrt“) trägt, die Vorgaben einer Sonatensatzform aber streng erfüllt. Dann die Verwendung russischer Melodien, mögen diese nun direkt übernommen sein wie in der Einleitung zum Finale, die das Volkslied „Blumen blühen“ zitiert, oder stilistisch nachempfunden wie in den übrigen Sätzen. Und drittens ein Hang zu starker Bildlichkeit, zu persönlichen Erlebnissen, dem die Anfangssätze ihre Überschriften verdanken (2. Satz: „Düsteres Land, nebliges Land“) und die Schlusssätze ihre plastische Kontur. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass sich im Scherzo einer von Tschaikowskis elegischen Walzern versteckt und die Sinfonie insgesamt, wie fast alle ihre Nachfolgerinnen, in einem vitalen, befreienden Finale kulminiert, darf op. 13 mit Recht als Geburtsstunde eines sinfonischen Stils bezeichnet werden, dem Tschaikowski bis zuletzt treu blieb – ohne sich je zu wiederholen.
Adagio – Allegro non troppo
Allegro con grazia
Allegro molto vivace
Finale. Adagio lamentoso – Andante


Seit der Vierten (1877) waren Peter Tschaikowskis Sinfonien mehr als nur Auseinandersetzung mit der Tradition: Sie wurden zu Spiegelungen der eigenen Situation, ja zu Lebensbeichten. In besonderem Masse trifft das auf die 6. Sinfonie zu, die als Tschaikowskis musikalisches Vermächtnis, als sein Requiem gilt. Nur wenige Wochen nach der Uraufführung des Werks starb der Komponist unter ungeklärten Umständen.

Dass die Sinfonie mit ihrem ungewöhnlichen Adagio-Finale einen programmatischen Hintergrund hat, bestätigte Tschaikowski selbst in einem Brief an seinen Neffen Wladimir, dem das Stück auch gewidmet ist. Details nannte er allerdings nicht. Nun ist auch ohne solche Hinweise die Nähe der „Pathétique“ zum Begriffsfeld „Tod“ unüberhörbar, v.a. in den Ecksätzen: von der „schwarzen“ Tonart h-Moll über Seufzermotive und intensiv ausgekostete dunkle Orchesterfarben (Fagott-Soli!) bis zu den Abschiedsgesten der Schlusstakte. Dem musikhistorisch Bewanderten kündigt schon der chromatische Bassgang gleich zu Beginn eine Schmerzensmusik nach barockem Muster an.

Andererseits weichen die beiden Mittelsätze von diesem Schema ab. Mag der Walzer noch als wehmütiger Rückblick auf vergangene Tage gelten, spricht aus dem 3. Satz sprühende Energie. Natürlich entfaltet das tragische Finale vor diesem Hintergrund erst recht seine Wirkung; man kann aber kaum davon sprechen, dass der Tod das einzige Thema des Werks sei. Gegenüber einer Kusine soll Tschaikowski geäussert haben, die „Pathétique“ sei seine Biographie in Tönen.

Konzertprogramm Genf

Andante sostenuto – Allegro vivo
Andantino marziale quasi moderato
Scherzo: Allegro molto vivace
Finale: Moderato assai – Allegro vivo


Dass Peter Tschaikowskis 2. Sinfonie den Beinamen „Kleinrussische“ trägt, hat mit ihren Entstehungsumständen zu tun: Sie wurde während der Sommerferien 1872 im ukrainischen („kleinrussischen“) Kamenka komponiert, wo Tschaikowski die Familie seiner Schwester besuchte. Und, wichtiger: Sie enthält eine ganze Reihe ukrainischer Volkslieder, die der Komponist vor Ort kennenlernte.

Schon der Beginn des Werks ist ein Fanal: Zur Einstimmung trägt das Solohorn eine Phrase aus dem bekannten „Wolgalied“ vor und manifestiert so Tschaikowskis Anspruch, die mitteleuropäisch dominierte Sinfonietradition um ein dezidiert russisches Kapitel zu bereichern. Der folgende Allegro-Hauptsatz beruht zwar auf erfundenen Themen, doch liegen deren Wurzeln in der Einleitung, und die Durchführung wiederum ist vom „Wolgalied“ dominiert.

Von dieser Spannung zwischen weitverbreitetem Liedgut und individueller Formung lebt die gesamte Sinfonie. Im langsamen Satz griff Tschaikowski auf Material aus seiner verworfenen Oper „Undine“ zurück, nur um dieses im Mittelteil mit ukrainischer Folklore zu konfrontieren. Ähnlich das Scherzo, das energisch-rhythmische Verläufe à la Beethoven um ein beliebtes Scherzlied herum gruppiert. Das Finale schliesslich ist ein ausgedehnter Variationensatz, der mit hymnischer Geste beginnt, sich dann aber auf die ebenso einfallsreiche wie humorvolle Verarbeitung
Andante – Allegro con anima
Andante cantabile, con alcuna licenza
Valse. Allegro moderato
Finale. Andante maestoso – Allegro vivace


Mehr als zehn Jahre liegen zwischen Peter Tschaikowskis 4. und 5. Sinfonie – eine Pause, in der er als Sinfoniker zwar nicht gänzlich geschwiegen, aber Nebenwege eingeschlagen hatte: über die programmatische „Manfred“-Sinfonie sowie mehrere Orchestersuiten. Die im Sommer 1888 komponierte Fünfte wurde für ihn selbst zu einer Zerreissprobe. Auf Schaffensschübe folgten Phasen mangelnder Inspiration, mit dem fertigen Werk war er zunächst zufrieden, nannte es dann „unecht und gekünstelt“, um es am Ende doch wieder zu „lieben“.

Interessanterweise fand dieses Hin und Her in der Aussenwirkung der Sinfonie seine Fortsetzung. Während die Fünfte vielen als Höhepunkt des nationalrussischen Stils im 19. Jahrhundert gilt, monieren andere ihre genrehaften Züge: Idyllik (2. Satz), Walzerseligkeit (3. Satz), Bombast (Finale). Zumal der sinfonische Weg von anfänglicher Depression, die Tschaikowski selbst als „Ergebung in das Schicksal“ umschrieb, bis zum überlauten Triumph führt.

Allerdings ist dieser Weg weit weniger direkt, als es auf den ersten Blick scheint. Denn in die schwelgerischen Töne des Andante platzt wie eine Katastrophe das Schicksals-Thema der Einleitung. Und wenn es zu Beginn von Satz 4 nach Dur gewendet wiederkehrt, ist das keineswegs das letzte Wort. Tschaikowski führt die Konflikte fort und inszeniert den triumphalen Schluss derart „über“, dass er als gewaltsame Lösung erscheint. Das Schicksal, so könnte man resümieren, lässt sich eben nicht besiegen – nicht einmal durch Musik.

Konzertprogramm Zürich

Introduzione e Allegro. Moderato assai
Alla tedesca. Allegro moderato e semplice
Andante elegiaco
Scherzo. Allegro vivo
Finale. Allegro con fuoco – Tempo di Polacca


Nach der betont russisch-ukrainischen 2. Sinfonie mit ihren zahlreichen Rückgriffen auf die Volksmusik seines Landes zeigte sich Peter Tschaikowski in der 1875 komponierten Dritten von einer ganz anderen, geradezu polyglotten Seite. Ihr Beiname „Polnische“ bezieht sich auf die Verwendung einer Polonaise im letzten Satz. Zuvor aber erkundet die Musik noch weitere Tonfälle „internationalen“ Zuschnitts aus den Bereichen Marsch, Tanz, Idylle, Fantastik. Der 2. Satz ist sogar explizit mit „Alla tedesca“ überschrieben.

Auch sonst weist Tschaikowskis op. 29 einige Besonderheiten auf. Als einzige seiner sechs Sinfonien steht die Dritte in einer Dur-Tonart – wobei diesem Dur immer wieder Moll-Passagen kontrastierend gegenübergestellt werden, so in der Einleitung, im 3. und 4. Satz sowie in etlichen Seitenthemen. Zudem ist die Sinfonie fünfsätzig, weicht also trotz ihrer „Westorientierung“ vom klassischen Modell ab. Vorbild scheinen eher individuell gestaltete Werke wie Beethovens „Pastorale“ oder Schumanns „Rheinische“ gewesen zu sein, und ähnlich bildhaft-vielgestaltig wirkt auch Tschaikowskis 3. Sinfonie.

Ihrer Aufnahme schadete das zunächst nicht, im Gegenteil. Die ersten Aufführungen in Moskau und St. Petersburg waren erfolgreich, auch die professionelle Kritik äusserte sich positiv. Erst im Laufe der Zeit trat die Dritte in ihrer Beliebtheit hinter andere Kompositionen Tschaikowskis, vor allem die Bekenntnissinfonien 4-6, zurück. Eine Wiederentdeckung ist dieses klangschöne Werk allemal wert.
Andante sostenuto – Moderato con anima
Andantino in modo di canzona
Scherzo. Pizzicato ostinato – Allegro
Finale. Allegro con fuoco


1877 war für Peter Tschaikowski ein Schicksalsjahr – in persönlicher, künstlerischer und finanzieller Hinsicht. Dem wachsenden Erfolg als Komponist stand die Erkenntnis gegenüber, aufgrund seiner Homosexualität kein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Der Versuch, mittels einer Hochzeit den bürgerlichen Schein zu wahren, scheiterte katastrophal. Wenigstens die drängendsten Geldsorgen war Tschaikowski los, seit ihm eine Gönnerin, Nadeschda von Meck, eine grosszügige Jahresrente gewährte. All diese widersprüchlichen Ereignisse, das unablässige Schwanken zwischen Aufbruchsstimmung und neuen Rückschlägen, bilden den Hintergrund für die 1877 komponierte 4. Sinfonie f-Moll. Ihre Anfangstakte formulieren einen mottoartigen Gedanken, laut Tschaikowski das „Fatum, jene schicksalhafte Kraft, die wie ein Damoklesschwert über dem Kopf hängt.“ Und genau diese Funktion erfüllt das Motto im Verlauf des Werks: Es kehrt immer dann wieder, wenn man nicht damit rechnet, bringt sich mahnend in Erinnerung oder zerstört eine trügerische Idylle.

Unter diesem Schicksalsvorbehalt entfaltet sich die f-Moll-Sinfonie: zwischen Depression und Glücksträumen (1. Satz), überwältigenden Erinnerungen (2. Satz) und unkontrollierbaren Fantasiebildern (3. Satz). Im Finale, das einem rauschenden Volksfest nachgebildet ist, bahnt sich ein versöhnliches Ende an – aber dann tönt wieder der Schicksalsgedanke dazwischen und degradiert jegliche Hoffnung zum schönen Schein. Tschaikowskis Fazit? „Man kann dennoch leben ...“

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Biographie

Über Valery Gergiev heisst es zuweilen, er müsse einen Doppelgänger haben; von einem Menschen allein sei sein Arbeitspensum gar nicht zu bewältigen. Tatsächlich hat der 1953 in Wladikawkas geborene Gergiev gleich mehrere Chef- oder Gastdirigentenämter bei Spitzenorchestern inne: aktuell beim London Symphony und bei den Münchner Philharmonikern, zuvor in Rotterdam sowie an der Metropolitan Opera, ganz zu schweigen von seinen zahlreichen Auftritten bei Festivals und natürlich seinem Engagement am Petersburger Mariinsky Theater. Diese Namen verbürgen aber auch, dass bei Gergiev Quantität nicht mit Qualitätsverlust einhergeht, im Gegenteil. Für sein Wirken als Pianist und Dirigent erhielt er diverse Auszeichnungen, darunter den Herbert-von-Karajan-Preis, den Echo Klassik sowie den Titel „Held der Arbeit der Russischen Föderation“. Von Valery Gergievs faszinierender Musikerpersönlichkeit konnte sich das Publikum der Migros-Kulturprozent-Classics schon mehrfach überzeugen.

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