Interpreten

Dirigent

22. - 25. Okt '17

Tournee I
22. - 25. Okt '17

Tomáš Netopil

Tournee

Konzertdaten und Orte

Interpreten

Konzertprogramm Zürich und Luzern

In der neuen Konzertserie präsentieren wir die besten Studien- und Förderpreisträger Musik des Migros-Kulturprozent. Entdecken Sie jeweils eine Stunde vor folgenden Migros-Kulturprozent- Classics-Konzerten unsere Solisten von morgen in einem halbstündigen Rezital: 22.10.2017, 30.11.2017, 23.1.2018 und 31.5.2018 in Luzern, 24.10.2017, 24.3.2018 und 9.6.2018 in Zürich. Ihr Abonnement oder Ihre Konzertkarte berechtigt zum kostenlosen Eintritt.

Unsere Solistinnen und Solisten von morgen

Mit der Prager Erstaufführung von „Jenůfa“ 1916 gelang Leoš Janáček endlich der ersehnte Durchbruch als Komponist – im Alter von 62 Jahren. Seit ihrer Premiere im Jahr 1904 war die Oper nur im mährischen Brünn gegeben worden. Die Entstehung des Werks lag noch einmal deutlich länger zurück: Erste Entwürfe datieren von 1894, abgeschlossen wurde es aber erst 1903. Innerhalb dieses Reifeprozesses hatte Janáček zu einem eigenen Stil gefunden, der sich durch eine Kombination volkstümlicher und moderner Elemente auszeichnet und von der tschechischen Sprachmelodie geprägt ist.

Dies gilt auch für das Vorspiel zu „Jenůfa“, das Janáček schon 1894 schrieb, dann aber verwarf und separat zur Aufführung brachte. Im Rückblick wirkt es wie eine kompositorische Einstimmung auf das Hauptthema der Oper, Eifersucht (tschechisch: „Žárlivost“). In „Jenůfa“ ist es der junge Laca, der seine Geliebte aus Eifersucht misshandelt, am Ende aber treu zu ihr steht. Für das Vorspiel wiederum gab es eine konkrete Inspirationsquelle, das mährische Volkslied vom sterbenden Hirten, der seine Braut mit in den Tod nehmen möchte, damit sie kein anderer bekommt. Janáček übernahm einzelne Motive des Lieds, überformte und erweiterte sie zu einer Tondichtung von grosser Plastizität und Intensität. Immer wieder rollen die Wellen der Emotionen aus der Tiefe des Orchesters an, werden besänftigt, peitschen erneut in die Höhe. Auch an konkreter Klangmalerei mangelt es nicht, etwa wenn die Geigen das Flimmern der Hitze und das Summen von Fliegen nachgestalten.
Im Vergleich zu seinen Sinfonien, Orchesterstücken oder Opern hat sich der Böhme Antonín Dvořák der Gattung des Solokonzerts eher selten gewidmet: Lediglich drei Werke, für Klavier, Violine sowie Violoncello, stammen aus seiner Feder. Dafür gelang es ihm mit dem in den USA entstandenen op. 104, die bis dahin spärliche Literatur für Cello um einen kanonischen Beitrag zu bereichern – und das trotz persönlicher Vorbehalte gegen das Instrument.

Inspiriert wurde Dvořák durch das 1894 in New York uraufgeführte Cellokonzert seines Kollegen Victor Herbert. Noch im selben Jahr machte er sich an ein eigenes Werk, das er dem Cellisten des Böhmischen Quartetts, Hanuš Wihan, widmete. Das h-Moll-Konzert, in traditioneller Dreisätzigkeit angelegt, zeigt das Soloinstrument nicht nur von seiner gesanglichen Seite, sondern auch als energiegeladenen, selbstbewusst auftrumpfenden Charakter. Mit kraftvollen Gesten vermag es sich immer wieder gegen das stark besetzte Orchester durchzusetzen.

Und doch liegen Schatten von Melancholie über dem Werk. Während der Arbeit am 2. Satz erfuhr Dvořák von der schweren Erkrankung seiner Schwägerin Josefina, die er als junger Mann geliebt hatte. Daraufhin verwendete er die Melodie ihres Lieblingslieds „Lasst mich allein“ aus dem Zyklus „Zypressen“ als Seitenthema. Als Josefina wenige Monate später starb, baute er ein entsprechendes Zitat auch in das Finale ein – gegen den Willen des Widmungsträgers Wihan, der sich zum Abschluss eine virtuose Solokadenz gewünscht hatte.
Wie aus dem Nichts erschien Antonín Dvořák 1878 auf der Musikbühne Europas und eroberte das Publikum mit seinen slawisch grundierten Werken im Handumdrehen. Festlegen lassen auf das Klischee des „böhmischen Musikanten“ wollte er sich aber nicht, wie das Beispiel seiner grimmigen 7. Sinfonie zeigte. In der 1889 komponierten Achten dominierten dann wieder die nationalen Tonfälle – Grund für ihre Beliebtheit bis heute. Allerdings ist das tschechische Kolorit ein geborgtes: Vom melancholischen Beginn über den vexierbildartigen langsamen Satz bis zum überschäumenden Finale wählt Dvořák keine originalen Volksmelodien, sondern ahmt diese in Tonfall und Struktur nach. Im Scherzo unterläuft er sogar die Hörerwartungen, indem statt eines rustikalen Volkstanzes ein wehmütiger Walzer erklingt; erst in der Coda blitzt ganz kurz ein echtes Volkslied auf, allerdings versteckt in Oboen und Fagotten.

Dvořák war also keineswegs der „Bauchmusiker“, als der er vielen galt, sondern ein Künstler, der solche Folklorismen dosiert und gezielt einsetzte. Auch die vielfältigen Abweichungen vom klassischen Formenarsenal in der Achten sind Ergebnis bewusster Planung: Im 1. Satz etwa wird die Überfülle melodischer Einfälle durch das genau austarierte Verhältnis von Dur- und Moll-Passagen aufgefangen. Und im Finale durchdringen sich so unterschiedliche Formkonzepte wie Rondo, Sonatensatz und Variationenzyklus, bevor die Wiederkehr der einleitenden Trompetenfanfare für eine Rundung des Geschehens sorgt.

Konzertprogramm Genf und La Chaux-de-Fonds

Mit der Prager Erstaufführung von „Jenůfa“ 1916 gelang Leoš Janáček endlich der ersehnte Durchbruch als Komponist – im Alter von 62 Jahren. Seit ihrer Premiere im Jahr 1904 war die Oper nur im mährischen Brünn gegeben worden. Die Entstehung des Werks lag noch einmal deutlich länger zurück: Erste Entwürfe datieren von 1894, abgeschlossen wurde es aber erst 1903. Innerhalb dieses Reifeprozesses hatte Janáček zu einem eigenen Stil gefunden, der sich durch eine Kombination volkstümlicher und moderner Elemente auszeichnet und von der tschechischen Sprachmelodie geprägt ist.

Dies gilt auch für das Vorspiel zu „Jenůfa“, das Janáček schon 1894 schrieb, dann aber verwarf und separat zur Aufführung brachte. Im Rückblick wirkt es wie eine kompositorische Einstimmung auf das Hauptthema der Oper, Eifersucht (tschechisch: „Žárlivost“). In „Jenůfa“ ist es der junge Laca, der seine Geliebte aus Eifersucht misshandelt, am Ende aber treu zu ihr steht. Für das Vorspiel wiederum gab es eine konkrete Inspirationsquelle, das mährische Volkslied vom sterbenden Hirten, der seine Braut mit in den Tod nehmen möchte, damit sie kein anderer bekommt. Janáček übernahm einzelne Motive des Lieds, überformte und erweiterte sie zu einer Tondichtung von grosser Plastizität und Intensität. Immer wieder rollen die Wellen der Emotionen aus der Tiefe des Orchesters an, werden besänftigt, peitschen erneut in die Höhe. Auch an konkreter Klangmalerei mangelt es nicht, etwa wenn die Geigen das Flimmern der Hitze und das Summen von Fliegen nachgestalten.
Im Vergleich zu seinen Sinfonien, Orchesterstücken oder Opern hat sich der Böhme Antonín Dvořák der Gattung des Solokonzerts eher selten gewidmet: Lediglich drei Werke, für Klavier, Violine sowie Violoncello, stammen aus seiner Feder. Dafür gelang es ihm mit dem in den USA entstandenen op. 104, die bis dahin spärliche Literatur für Cello um einen kanonischen Beitrag zu bereichern – und das trotz persönlicher Vorbehalte gegen das Instrument.

Inspiriert wurde Dvořák durch das 1894 in New York uraufgeführte Cellokonzert seines Kollegen Victor Herbert. Noch im selben Jahr machte er sich an ein eigenes Werk, das er dem Cellisten des Böhmischen Quartetts, Hanuš Wihan, widmete. Das h-Moll-Konzert, in traditioneller Dreisätzigkeit angelegt, zeigt das Soloinstrument nicht nur von seiner gesanglichen Seite, sondern auch als energiegeladenen, selbstbewusst auftrumpfenden Charakter. Mit kraftvollen Gesten vermag es sich immer wieder gegen das stark besetzte Orchester durchzusetzen.

Und doch liegen Schatten von Melancholie über dem Werk. Während der Arbeit am 2. Satz erfuhr Dvořák von der schweren Erkrankung seiner Schwägerin Josefina, die er als junger Mann geliebt hatte. Daraufhin verwendete er die Melodie ihres Lieblingslieds „Lasst mich allein“ aus dem Zyklus „Zypressen“ als Seitenthema. Als Josefina wenige Monate später starb, baute er ein entsprechendes Zitat auch in das Finale ein – gegen den Willen des Widmungsträgers Wihan, der sich zum Abschluss eine virtuose Solokadenz gewünscht hatte.
Wie aus dem Nichts erschien Antonín Dvořák 1878 auf der Musikbühne Europas und eroberte das Publikum mit seinen slawisch grundierten Werken im Handumdrehen. Festlegen lassen auf das Klischee des „böhmischen Musikanten“ wollte er sich aber nicht, wie das Beispiel seiner grimmigen 7. Sinfonie zeigte. In der 1889 komponierten Achten dominierten dann wieder die nationalen Tonfälle – Grund für ihre Beliebtheit bis heute. Allerdings ist das tschechische Kolorit ein geborgtes: Vom melancholischen Beginn über den vexierbildartigen langsamen Satz bis zum überschäumenden Finale wählt Dvořák keine originalen Volksmelodien, sondern ahmt diese in Tonfall und Struktur nach. Im Scherzo unterläuft er sogar die Hörerwartungen, indem statt eines rustikalen Volkstanzes ein wehmütiger Walzer erklingt; erst in der Coda blitzt ganz kurz ein echtes Volkslied auf, allerdings versteckt in Oboen und Fagotten.

Dvořák war also keineswegs der „Bauchmusiker“, als der er vielen galt, sondern ein Künstler, der solche Folklorismen dosiert und gezielt einsetzte. Auch die vielfältigen Abweichungen vom klassischen Formenarsenal in der Achten sind Ergebnis bewusster Planung: Im 1. Satz etwa wird die Überfülle melodischer Einfälle durch das genau austarierte Verhältnis von Dur- und Moll-Passagen aufgefangen. Und im Finale durchdringen sich so unterschiedliche Formkonzepte wie Rondo, Sonatensatz und Variationenzyklus, bevor die Wiederkehr der einleitenden Trompetenfanfare für eine Rundung des Geschehens sorgt.

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Biographie

Tomáš Netopil studierte Violine und Dirigieren in der Tschechischen Republik, so wie in Stockholm unter anderem bei Jorma Panula. Gewinner des Sir Georg Solti Dirigenten-Wettbewerbs, war der Tscheche von 2009 bis 2012 Musikdirektor am Prager Nationaltheater. Seit Herbst 2013 ist er Musikdirektor des Aalto Theater und der Philharmonie Essen. Als Gastdirigent wurde er an die bekanntesten Opernhäusern der Welt eingeladen wie die Deutsche Oper Berlin, Bayerische Staatsoper München, Opéra National de Paris, De Vlaamse Opera, Teatro La Fenice di Venezia oder Teatro San Carlo Napoli. Seit seinem erfolgreichen Debut 2014 an der Wiener Staatsoper dirigierte er wiederholt in der österreichischen Hauptstadt. In der Symphonik hat er sich bereits mit vielen berühmten Orchestern präsentiert, u.a. mit der Tschechischen Philharmonie, dem Orchestre de Paris, London Philharmonic Orchestra, Prager Symphonieorchester und den führenden deutschen Orchestern wie den Berliner Philharmonikern oder dem Gewandhaus Orchester in Leipzig. Tomáš Netopil hat auch bereits die führenden Schweizer Orchester dirigiert: das Tonhalle Orchester Zürich und das Orchestre de la Suisse Romande.

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