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2. Mrz '20

Konzert
2. Mrz '20

Teodor Currentzis

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Programm

In den Jahren 1886–89 arbeitete Richard Strauss, teilweise parallel, an jenen drei Sinfonischen Dichtungen, die seinen Ruf als Orchestermagier begründeten: «Macbeth», «Don Juan» sowie «Tod und Verklärung». Letztere verdankt sich keinem literarischen Anstoss, sondern einer spontanen Idee des Komponisten, «die Todesstunde eines Menschen, der nach den höchsten Zielen gestrebt hatte, also wohl eines Künstlers, in einer Tondichtung darzustellen».
Einen Namen hat dieser Mensch nicht; ihn mit dem damals 25-Jährigen Strauss gleichzusetzen, wäre wohl zu kurz gedacht. Im Zentrum steht vielmehr der Idealtypus eines Künstlers, der sich zeit seines Lebens darum bemüht, Bleibendes zu schaffen. Die Tondichtung stellt gewissermassen die Frage, welche Spuren wir über unseren Tod hinaus hinterlassen – und so unzureichend die gefundene Antwort in Worten klingen mag, hat die Musik doch bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.
Formal gesehen, ist «Tod und Verklärung» ein Sonatensatz mit Einleitung und ausgedehnter Coda. Das Vorspiel malt das langsame Verdämmern eines Todkranken; der Puls stockt, ab und zu erklingt ein Seufzer. Dann plötzliches Erwachen (Allegro-Hauptteil), Schmerzen und Fieberqual, die einen Erinnerungsstrom in Gang setzen. Und aus diesen Lebensbildern löst sich allmählich ein Thema, laut Strauss «das Ideal, das er nicht vollenden konnte, weil es von einem Menschen nicht zu vollenden war». In seiner vollen, verklärten Gestalt erklingt dieses Thema denn auch erst nach dem durch einen Tam-Tam-Schlag markierten Tod des Künstlers.
Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 gilt uns heute als die traditionellste seiner neun Sinfonien, ein reines Instrumentalwerk, klassisch im Aufbau. Das war nicht immer so. Bei der Uraufführung 1889 in Budapest bekam das Publikum eine Sinfonische Dichtung in zwei Teilen und fünf Sätzen zu hören. Von einer Aufführung in Hamburg vier Jahre später sind inhaltliche Erklärungen zu jedem Satz überliefert sowie der neue Titel: «Titan, eine Tondichtung in Symphonieform». Erst die Druckfassung von 1899 bringt das Werk in viersätziger Form und verzichtet auf programmatische Überschriften.
Hauptgrund für dieses Lavieren war Mahlers Ehrgeiz, auf sinfonischem Gebiet neue Wege zu beschreiten. Dazu griff er auf ältere Kompositionen zurück, auf Lieder und Musik zu «Lebenden Bildern», und liess sich durch Aussermusikalisches inspirieren, etwa durch die Idee des Frühlingserwachens im ersten oder einen parodistischen Holzschnitt im langsamen Satz. Dieses heterogene Material verarbeitete er dann nach sinfonischen Prinzipien, mit einem triumphalen Finale als klarem Zielpunkt.
Gleichwohl sind schon hier, in diesem Werk der Suche, typische Mahler-Tonfälle ausgeprägt: das Nebeneinander von Glanz und Elend, die innere Zerrissenheit, schlichter Volkston und verzerrt Triviales. Die Geburt des Klangs aus «Naturlauten» (erster Satz, Einleitung) oder die groteske Inszenierung des «Bruder Jakob»-Kanons (dritter Satz) – wer anders als Mahler hätte eine solche Musik schreiben können? Und wenn im Finale aus tiefster Verzweiflung feierliche Apotheose wird, deutet sich Mahlers Konzept von der Sinfonie als Weltschöpfungsdrama bereits an.

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Biographie

Er gehört zu den markantesten Figuren der aktuellen Klassikszene: Teodor Currentzis, der 1972 in Athen geborene Dirigent. Ungewöhnlich ist nicht nur sein Auftreten, sondern auch sein Werdegang: Dieser begann im sibirischen Nowosibirsk, an der musikalischen Peripherie also. Hier gründete Currentzis das Ensemble MusicaAeterna, das mit ihm zusammen 2011 nach Perm im Ural übersiedelte, um von dort aus die Musikwelt im Sturm zu erobern. Für seinen Mozart-Zyklus («Figaro», «Così fan tutte», «Don Giovanni») erhielt er u. a. den Echo Klassik, 2016 wurde er von der «Opernwelt» zum Dirigenten des Jahres gekürt. Sein Markenzeichen ist die absolute Hingabe an die Musik, gepaart mit stupender Werkkenntnis. Dass er die Gepflogenheiten des Konzertbetriebs, von den Probenzeiten über die Orchestersitzordnung bis zur Kleiderfrage, genüsslich gegen den Strich bürstet, gefällt nicht allen, gehört aber zum Konzept. «Musik ist immer eine Expedition in ein unbekanntes Land», sagt Currentzis. «Dafür braucht es offene Menschen.»

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