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20. - 22. Jan '20

Tournee IV
20. - 22. Jan '20

Sylvain Cambreling

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Programm

Zu Beginn jedes Konzerts erhalten talentierte Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus der Schweiz Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Eine «Ouvertüre» in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für «Unsere Stars von morgen».


Ouvertüre

Aufführungen von Igor Strawinskis Concerto in Re sind für das Kammerorchester Basel geradezu eine Verpflichtung, steht man doch in der Tradition von Paul Sachers legendärem Basler Kammerorchester, das von 1926–1987 bestand und dem das Concerto gewidmet ist. Sacher hatte es zum 20-jährigen Jubiläum seines Ensembles bei Strawinski in Auftrag gegeben. Trotz vielfältiger Verpflichtungen kam der Komponist der Bitte nach; im Januar 1947 erfolgte die Uraufführung.
Stilistisch gesehen, bildet das Concerto in Re den Abschluss von Strawinskis mittlerer, der neoklassizistischen Schaffensphase, zu der Werke wie das Capriccio für Klavier und Orchester (1929) oder das Concerto in Es (1938) gehören. Ein letztes Mal bedient sich der Komponist hier dezidiert barocker Formen und Tonfälle – in einer spielerisch aufgelockerten Atmosphäre, die an Bachs Brandenburgische Konzerte erinnert.
Der 1. Satz ist ein beschwingtes Vivace im Giguen-Rhythmus, das den Gegensatz von D-Dur und d-Moll lustvoll ausspielt. Immer wieder treten einzelne Instrumente nach Art eines Concerto grosso, solistisch oder in Kleingruppen, aus dem Streicherverbund hervor. Dagegen wirken die beiden eingeschobenen Moderato-Abschnitte mit ihren blockhaften Tutti-Akkorden regelrecht statisch. Der 2. Satz, ein Arioso, huldigt augenzwinkernd italienischem Belcanto: Celli und erste Geigen wetteifern hier um die elegantere Melodielinie. Das Schlussrondo setzt dann wieder auf motorische Energie; lediglich im Mittelteil kommt sein Perpetuum-mobile-Charakter kurzzeitig zum Erliegen.
Der erfolgreichste lebende deutsche Komponist – dieses Etikett kommt eindeutig Wolfgang Rihm zu. Kompositionsstudent schon als Schüler, gelang ihm mit 22 der Durchbruch bei den Donaueschinger Musiktagen. Zu seinen Lehrern zählten Wolfgang Fortner, Karlheinz Stockhausen und Klaus Huber, in deren Fussstapfen Rihm bald selbst trat. Nach vierjähriger Lehrtätigkeit in München übernahm er 1985 die Professur für Komposition in seiner Heimatstadt Karlsruhe. Der Schweiz ist er seit 2016 eng verbunden: als Leiter der von Pierre Boulez begründeten Lucerne Festival Academy.
Geht es darum, Rihms Schaffen zu beschreiben, fällt immer wieder ein Begriff: Subjektivität. Eigene Wege zu finden, eine eigene Sprache zu entwickeln, das ist für ihn der Wesenskern künstlerischer Ästhetik; Dogmatismus begreift er als «Zeichen der Schwäche». In diesem Sinne standen seine Werke oft quer zu den Trends, eben weil sie so stark vom Künstler-Ich geprägt sind. Kompositorisch fühlt sich Rihm in allen Genres zu Hause, in der Kammer- und Orchestermusik ebenso wie im Vokalen, wobei v.a. seine Bühnenwerke besondere Beachtung fanden.
Illuster ist auch die Riege seiner Uraufführungssolisten: Daniel Barenboim, Anne-Sophie Mutter, Steven Isserlis, Renaud Capuçon, um nur einige zu nennen. Bei der Eröffnung der Elbphilharmonie Hamburg stand ebenfalls ein neues Rihm-Werk im Zentrum. Von seinen zahlreichen Auszeichnungen seien hier nur der Ernst von Siemens Musikpreis, der Grawemeyer Award sowie das Bundesverdienstkreuz mit Stern genannt. Schliesslich noch ein Blick auf seine Schüler, zu denen u.a. Jörg Widmann, Philip David Hefti und Rebecca Saunders zählen.
Von der Nummerierung lasse man sich nicht täuschen: Mendelssohns «Schottische» wurde erst 1842 und damit als letzte seiner fünf grossen Sinfonien vollendet. Ihre Anfänge freilich reichen ins Jahr 1829 zurück, als der junge Komponist die Britischen Inseln besuchte und vor allem in Schottland zahlreiche Reiseeindrücke sammelte, die sich auch kompositorisch niederschlugen. So notierte er angesichts der Ruinen des Holyrood Palace in Edinburgh einen musikalischen Einfall, der zur Keimzelle des langsamen Satzes wurde: «Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner Schottischen Symphonie gefunden.»
Dass es ganze 13 Jahre bis zur Fertigstellung des Werks dauerte, dafür lassen sich mehrere Gründe ins Feld führen. Auf der direkt anschliessenden Italienreise fehlte dem jungen Komponisten die Inspiration, die «Schottische Nebelstimmung», wie er schrieb. Später kamen allgemeine Überlegungen hinzu, die Schwierigkeit, nach Beethoven ein überzeugendes sinfonisches Konzept zu entwickeln – überlagert von der Frage, wie viel «Programm», also Inhalte, man einem Orchesterwerk zumuten durfte.
Die gefundene Lösung jedenfalls begeisterte zeitgenössische Hörer auf Anhieb. Jeder Satz der a-Moll–Sinfonie setzt einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt (Natur – Volksfest – Ruinen – Kampf), ohne die formalen Vorgaben der Tradition zu vernachlässigen. Zudem ist das Werk als Zyklus angelegt: durch Mendelssohns Vorschrift, die vier Sätze ohne Pause hintereinander zu spielen, ebenso wie durch verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Hauptthemen.

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Biographie

Mit Sylvain Cambreling gastiert ein Dirigent bei Migros-Kulturprozent-Classics, der in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in der deutschen Musiklandschaft Spuren hinterliess. Danach sah es anfangs gar nicht aus, beschränkte sich Cambrelings Wirken als junger Dirigent doch zunächst auf sein Heimatland Frankreich, die Oper Lyon und das Pariser Ensemble Intercontemporain. 1981 ging er nach Brüssel. Am dortigen Opernhaus La Monnaie arbeitete er dann so erfolgreich, dass ihn ein Ruf nach dem andern ereilte: Opernchef in Frankfurt (1992–1997), in Stuttgart (2012–2018), dazwischen Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, Gastspiele in Wien, Salzburg, an der Met, der Scala. Zweimal wurde Cambreling zum Dirigenten des Jahres gekürt, für die Einspielung von Messiaens Orchesterwerken gab es 2009 den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Aktuell hat der «Universalist unter den Dirigenten» seine Zelte bei den Symphonikern in Hamburg aufgeschlagen.

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