Interpreten

Dirigent

13. - 15. Nov '20

Tournee II
13. - 15. Nov '20

Rudolf Buchbinder

Tournee

Konzertdaten und Orte

Interpreten

Programm

Ein Jahr nach Mozarts Tod, 1792, kehrte der junge Ludwig van Beethoven seiner Heimatstadt Bonn den Rücken, um in Wien die Nachfolge seines früh verstorbenen Vorbilds anzutreten. Was im Rückblick wie ein nahtloser Übergang wirkt, war in der Realität allerdings ein schwieriges Unterfangen, und das zeigt sich nirgends so deutlich wie in jener Gattung, die Mozart über Jahre dominiert hatte: dem Klavierkonzert. Obwohl Beethoven schon als Knabe Solokonzerte komponiert und vorgetragen hatte, legte er sich auf diesem Gebiet in Wien Zurückhaltung auf. Als Solist eines eigenen Klavierkonzerts präsentierte er sich nicht vor dem Jahr 1795, und erst 1801 kam es zur Drucklegung des C-Dur-Werks.
Dass er dieses (und nicht das frühere in B-Dur) als Nr. 1 veröffentlichte, lässt sich womöglich mit dessen „Modell“-Charakter erklären. Denn die drei Sätze von op. 15 zeigen geradezu beispielhaft, wozu ein Beethoven kompositorisch in der Lage war. Die Klang- und Themenfülle des 1. Satzes entwickelt er sukzessive aus minimalem Ausgangsmaterial; dabei spielt das Orchester eine ebenso bedeutende Rolle wie der Solist. Das Largo im verschatteten As-Dur fängt dank seiner harmonischen Vielschichtigkeit bereits romantische Züge ein, bevor sich das stampfend-widerborstige Rondo volksnaher gibt, als es Mozart und Haydn (Beethovens zweites Vorbild) je wagten. Bei der Uraufführung des Konzerts soll der Flügel einen Halbton zu tief gestimmt gewesen sein, so dass Beethoven den Solopart in Cis-Dur spielen musste.
In seinen ersten vier Klavierkonzerten hatte Ludwig van Beethoven ganz unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten durchgespielt: Brillanz und Humor in den Konzerten 1 und 2, Pathos (Nr. 3) sowie Gesanglichkeit (Nr. 4). Was hier im Vergleich mit den Sinfonien noch fehlte, war die Sphäre des Heroischen, und sie klingt bereits in den Anfangstakten des 5. Konzerts unmissverständlich an. Den vom Orchester gesetzten Akkord greift der Solist sofort auf und formt ihn zur grossen, rauschhaften Gebärde um – im Stil eines vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Akteurs.
Aber: Dieses Konzert in der heroischen Tonart Es-Dur ist auch Dokument seiner Zeit. Einer Zeit, geprägt von Krieg, Gewalt und Unsicherheit: Während Beethoven über der Komposition sass, marschierten Napoleons Truppen auf Wien zu und eroberten es im Mai 1809. Beethovens Opposition gegen den früher bewunderten Korsen schlug endgültig in Ablehnung, ja in Hass um: „Östreich löhne Napoleon“, ist im Autograph über dem Beginn des 2. Satzes zu lesen.
Extreme Begleitumstände also, die sich im Werk spiegeln: Immer wieder wird der militärische Tonfall des 1. Satzes attackiert, in der Durchführung mutiert Heroismus zu roher Gewalt. Auf den flehentlichen Bittgesang des 2. Satzes folgt als trotzige Selbstbehauptung ein Finale, das Jubel und Grimm auf typisch Beethoven'sche Weise vereinigt. Damit erweist sich op. 73 als „sinfonisches“ Konzert, in dem die solistische Selbstdarstellung – anders, als es die Anfangstakte vermuten lassen – hinter der musikalischen Aussage zurücksteht. Es ist zudem Beethovens einziges Klavierkonzert, an dessen Uraufführung er nicht beteiligt war.

Jetzt weiterempfehlen

Biographie

2020 ist Beethoven-Jahr – und damit auch Buchbinder-Jahr! Zwar reicht das weit über 100 CDs umfassende Repertoire des in Nordböhmen geborenen Pianisten vom Barock bis zur zeitgenössischen Moderne, in seinem Zentrum aber steht eindeutig das Schaffen Beethovens: die fünf Solokonzerte, die Buchbinder gern in Personalunion als Dirigent und Pianist an zwei Abenden präsentiert, sowie sämtliche Klaviersonaten, die er bereits in mehr als 40 Städten, darunter Zürich, Peking, Berlin, Buenos Aires und natürlich Wien, dargeboten hat. Seit bald sechs Jahrzehnten konzertiert Rudolf Buchbinder auf höchstem Niveau, ohne dabei seine Neugier verloren zu haben. 2007 hob er das Musik-Festival Grafenegg aus der Taufe, das sich unter seiner Leitung zu einem der bedeutendsten europäischen Orchesterfestivals entwickelte. Er ist Träger des Anton-Bruckner-Rings und des Grossen Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich; 1977 erhielt er den Grand Prix du Disque für seine Einspielung des Klaviergesamtwerks von Joseph Haydn.

Jetzt weiterempfehlen