Interpreten

Dirigent

17. Jun '19

Konzert V
17. Jun '19

Philippe Herreweghe

Tournee

Konzertdaten und Orte

Interpreten

Programm

Johann Sebastian Bach hatte in seiner letzten Lebens- und Schaffensphase von 1723 bis 1750 die hohe Stellung des Kantors an der Thomaskirche in Leipzig inne. Diese Anstellung verlangte die Komposition vor allem geistlicher Musik. Dazu gehören in erster Linie die über 200 Kantaten sowie die bekannten Passionsvertonungen, wie die Johannes- und Matthäus-Passion und das Weihnachtsoratorium. In diesem Kontext überzeugter lutheranisch-evangelischer Kirchenmusik nimmt die h-Moll-Messe eine einmalige Stellung ein. Die Messe stellt in der christlichen Musik die traditionsreichste musikalische Vokalgattung überhaupt dar. Diese «grosse catholische Messe», wie sie im Nachlass von Sohn Carl Philipp Emanuel genannt wird, ist Bachs einzige lateinische Messe-Vertonung, und Bach verstand sie als einen Beitrag zu überkonfessioneller Gläubigkeit. In diesem Werk ganz am Ende seines Lebens strebte Bach eine Zusammenfassung seiner kompositorischen Meisterschaft an und wollte damit ein Vermächtnis an die zukünftigen Generationen hinterlassen, eine Art Opus summum. Neben neu komponierten Teilen verwendete Bach ganz im Sinne der damals üblichen Praxis der sog. «Parodie» auch ältere eigene Werke, deren kompositorische Qualität er besonders hoch einschätzte, und arbeitete sie teilweise um. Trotz der Unterschiedlichkeit des Materials, der zum Teil viel früher entstandenen Musikabschnitte und der Vielfalt archaischer, traditioneller und auch für seine Zeit moderner Formen und Stilmittel gelang es Bach, einen in sich geschlossenen Vokalzyklus von hoher Aussagekraft zu schaffen. Von der durchgängig kontrapunktischen Dichte zeugen die zahlreichen kunstvollen Chorfugen. Aber auch der Instrumentalpart zeigt eine ausserordentliche Gestaltung. Die h-Moll-Messe ist auch eine sog. «Missa concertata», d. h. eine instrumental ausmusizierte Messe, im Unterschied zur primär auf die Vokalparts fokussierte Gestaltung (a cappella oder mit einfacher Begleitung). Abgesehen von der barocken Prachtentfaltung haben die Instrumente eine eigene Aussagekraft und tragen zur Sinngebung des Werkes bei. Bach verwendet in dieser Messe auch die hochentwickelte Instrumentalmusik seiner Zeit in dem Sinne, dass die instrumentale Formenwelt auch als vorgegebene Ordnung der göttlichen Schöpfung verstanden werden kann.

Jetzt weiterempfehlen

Biographie

Der belgische Dirigent aus dem flämischen Gent studierte am Konservatorium und an der Universität seiner Heimatstadt und spezialisierte sich früh auf die historische Aufführungspraxis alter Musik. Er wurde rasch von Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt entdeckt und für ihre Gesamtaufnahme aller Bach-Kantaten eingeladen. Er gründete 1970 mit Studienkollegen das Collegium Vocale Gent und 1977 das Ensemble La Chapelle Royale in Paris. Von 1982 bis 2002 war er künstlerischer Leiter der Académies Musicales de Saintes. Während dieser Zeit gründete er weitere Ensembles wie z. B. 1991 das Orchestre des Champs Elysées, welches sich vor allem der vorromantischen und der romantischen Musik, gespielt auf Originalinstrumenten, widmet. Seit 1997 ist er Chefdirigent der Königlichen Flämischen Philharmonie und er wird regelmässig von anderen bedeutenden Orchestern, wie z. B. dem Concertgebouworkest Amsterdam, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Tonhalle- Orchester Zürich als Gastdirigent eingeladen. Philippe Herreweghe erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 2003 den Titel «Chevalier de la Légion d’Honneur», 2010 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig für seinen Einsatz zugunsten der Musik Bachs sowie 2017 den Ehrendoktor der Universität Gent.

Jetzt weiterempfehlen