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28. - 30. Apr '20

Tournee VII
28. - 30. Apr '20

Lahav Shani

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Programm

Zu Beginn jedes Konzerts erhalten talentierte Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus der Schweiz Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Eine «Ouvertüre» in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für «Unsere Stars von morgen».


Ouvertüre

Die «Ballets Suédois» waren ähnlich wie Diaghilews berühmte «Ballets Russes» ein hauptsächlich in Paris aktives Ensemble, das durch innovative Tanzproduktionen von sich reden machte. In den fünf Jahren seines Bestehens arbeitete das Team um den Schweden Jean Börlin mit Künstlern wie Ravel, Honegger, Satie und Cocteau zusammen. 1923 entstand das Ballett «La création du monde» mit Musik von Darius Milhaud. Bei der Uraufführung erregte es grosses Aufsehen: nicht nur wegen seines Inhalts, der sich afrikanischer Schöpfungsmythen bedient, sondern auch wegen der spektakulären Kostüme von Fernand Léger. Und, natürlich, wegen der Musik: Sie ist ganz unverkennbar vom Jazz inspiriert, den Milhaud 1920 in London und 1922 in New York hatte studieren können und von dem er begeistert war.
Bluesharmonien prägen bereits das meditative Vorspiel, bevor Milhaud im zweiten Satz, der das Chaos vor dem Schöpfungsakt malt, eine Fuge im Jazzstil präsentiert. Klanglich höchst effektvoll, wandert das Fugenthema vom Kontrabass zu Posaune, Saxophon und Trompete, um anschliessend das gesamte Orchester in seinen Bann zu ziehen. Im dritten Satz, bei der Erschaffung der Lebewesen, kehrt dieses Material verwandelt wieder. Danach hat das erste Menschenpaar zu den flotten Rhythmen eines Cakewalks seinen Auftritt, bevor im fünften Abschnitt seine Vereinigung zelebriert wird (Soli von Klarinette und Saxophon). Das kurze Finale schliesslich kombiniert Motive der vorhergehenden Sätze und deutet so die zyklische Struktur irdischen Lebens an.
Mit seinem F-Dur-Klavierkonzert bereicherte Dmitri Schostakowitsch im Jahr 1957 das Repertoire um ein Werk, das beim Publikum ausserordentliche Beliebtheit geniesst und auch von Fachkritikern geschätzt wird. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete Schostakowitsch selbst. Es enthalte «keine nennenswerte künstlerische Leistung», schrieb er an einen Freund. Ehrliche Selbstkritik oder Schutzbehauptung?
Fest steht zumindest, dass es Solokonzerte im sozialistischen Realismus nicht leicht hatten. Schostakowitschs 1. Klavierkonzert von 1933, das eine selbstbewusste Absage an spätromantisches Virtuosentum darstellt, wurde aufgrund seines ätzenden Sarkasmus kaum noch gespielt. Und das 1947 komponierte Violinkonzert, das künstlerischen Ernst mit humanistischem Ethos verbindet, musste sieben Jahre lang auf seine Uraufführung warten.
Op. 102 ist daher ein Konzert «durch die Hintertür»: ein Geburtstagsständchen für den 19-jährigen Sohn Maxim, der sich auf eine Karriere als Pianist vorbereitete. Klassisch im Aufbau, verbindlich im Ton, mit frechen Themen im Jungpionierstil und einem wehmütigen Mittelsatz von Chopin’scher Eleganz. Wenn da nur die kleinen, versteckten Widerborstigkeiten nicht wären: falsche Akkorde, schrille Zwischentöne, Spott über pianistische Leerfloskeln und im Finale ein 7∕8-Takt, der zum Stolpern bei Höchstgeschwindigkeit einlädt ... Keine künstlerische Leistung? In diesem Fall wird man dem Komponisten getrost widersprechen dürfen.
Vier Jahre lang, von 1804 bis 1808, arbeitete Ludwig van Beethoven an seiner 5. Sinfonie – ein deutliches Zeichen für den hohen Anspruch, den er an seine erste Moll-Sinfonie stellte. In diese Zeit fallen einige markante Ereignisse politischer wie privater Art: die drohende Niederlage gegen Napoleon, das Eingeständnis irreversibler Ertaubung, aber auch ein neues künstlerisches Niveau seit Beendigung der «Eroica». Welches Konzept verfolgte Beethoven in der neuen Sinfonie?
Dass die berühmten Anfangstöne der Fünften für das Schicksal stehen, das «an die Pforte klopft», ist bekannt. Entscheidend aber ist der musikalische Prozess, den sie in Gang setzen. Beethoven schreibt nicht einfach eine Sinfonie, die in Moll beginnt und in Dur endet, sondern er inszeniert diese Entwicklung als folgerichtig, um nicht zu sagen notwendig. In vier Stufen wird das Schicksal überwunden: So scheint C-Dur am Ende von Satz eins bereits erreicht, als eine düstere Coda dieses Ergebnis wieder einkassiert. Im zweiten Satz wird der lyrische Gesamteindruck zusehends durch Marschsignale aufgebrochen – Vorahnung des finalen Triumphs. Selbst das (nicht als solches bezeichnete) Scherzo lebt ganz von musikalischen Konflikten, und hier, in den letzten Takten, erfolgt dann endgültig der Umschwung zum erlösenden C-Dur. Der Schlusssatz ist Jubel pur, dessen weltumspannendes Ethos durch Zusatzinstrumente wie Piccolo, Posaunen und Kontrafagott zum Ausdruck kommt. «Dem Schicksal in den Rachen greifen» – hier geschieht es musikalisch.

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Biographie

Wird nach den grössten dirigentischen Nachwuchshoffnungen unserer Zeit gefragt, fällt immer wieder ein Name: Lahav Shani. «Ein Ausnahmetalent», so der Deutschlandfunk, ein «Temperamentsbündel», ergänzte der Wiener «Standard». 2013, mit 24 Jahren, triumphierte der Israeli beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg und erhielt daraufhin Einladungen von den besten Orchestern weltweit. Shani gastierte beim City of Birmingham Symphony Orchestra, beim Los Angeles Philharmonic, bei der Staatskapelle Berlin, wurde 2017 Ständiger Gastdirigent der Wiener Symphoniker und ein Jahr später sogar Chefdirigent der Philharmoniker von Rotterdam. Damit nicht genug, wird er ab 2020 als Nachfolger von Zubin Mehta die Leitung des Israel Philharmonic Orchestra übernehmen. Mit dieser Berufung schliesst sich ein Kreis, für den in Tel Aviv geborenen Lahav Shani, der auch ein exzellenter Pianist ist: Trat er doch schon als 16-Jähriger zusammen mit Mehta und den Philharmonikern auf.

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