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19. - 21. Okt '20

Tournee I
19. - 21. Okt '20

Iván Fischer

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Programm

Auch in der Saison 2020/21 bieten die Migros-Kulturprozent-Classics ausgewählten Talenten aus der Schweiz zu Beginn zahlreicher Konzerte die Chance, sich dem heimischen Publikum vorzustellen. Nach ihrem Auftritt wird jeweils der Applaus gemessen. Das Nachwuchstalent mit dem stärksten Zuspruch wird in der kommenden Saison als Solist oder Solistin engagiert. Eine «Ouvertüre» also in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für die Stars von morgen.
Der Aussenseiter, der zum Mörder wird: Dieses Handlungsschema liegt nicht nur Bergs «Wozzeck» und Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» zugrunde, sondern auch Benjamin Brittens 1945 uraufgeführter Oper «Peter Grimes». Wobei unklar bleibt, ob Grimes, der eigenbrötlerische Fischer, seinen Lehrling tatsächlich getötet hat. Die Dorfbewohner jedenfalls sind davon überzeugt. Als auch der zweite Junge bei einem tragischen Unfall stirbt, treiben sie Grimes in den Tod.
Der Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft, zwischen Individualität und Anpassung bildet die Triebfeder des Geschehens – kein Wunder angesichts der Erfahrungen, die Europa gerade mit diversen Diktaturen gemacht hatte. Es gibt aber noch ein zweites, ebenso wichtiges Thema der Oper: das Meer. Britten, aufgewachsen an der englischen Ostküste, ging es darum, «meinem Wissen um den ewigen Kampf der Männer und Frauen, die ihr Leben, ihren Lebensunterhalt dem Meer abtrotzten, Ausdruck zu verleihen».
Dieses Konzept schlägt sich vor allem in den insgesamt sechs orchestralen Zwischenspielen der Oper nieder. Vier von ihnen veröffentlichte Britten separat: das zarte Erwachen des Tages über ruhiger See («Dawn»); Morgenstimmung, in die hinein Kirchenglocken tönen («Sunday Morning»); die geheimnisvolle Sphäre einer Mondnacht («Moonlight») sowie eine Sturmszene («Storm»). Diese Naturschilderungen sind mehr als nur moderne Programmmusik, sie ent werfen Gegenwelten, frei vom Kampf der Menschen um ein gelingendes Miteinander.
Wenige Werke haben eine so komplizierte Entstehungsgeschichte wie das Klavierkonzert A-Dur von Franz Liszt. Seine Anfänge reichen in die 1830er-Jahre zurück, als der junge Virtuose sein kompositorisches Vermögen unter Beweis stellen wollte. 1839 scheint eine erste Version des Stücks vorgelegen zu haben, fertig gestellt wurde es aber erst in Liszts Weimarer Zeit. Selbst nach der Uraufführung im Januar 1857, mit Liszt am Dirigentenpult und seinem Schüler Hans von Bronsart als Solisten, kam es noch zu Revisionen.
Warum diese vielen Überarbeitungen? Neben spieltechnischen und instrumentatorischen Aspekten sind hier vor allem formale Gründe zu nennen. Schon der junge Liszt strebte nach einer Emanzipation vom traditionellen Formenkanon. Dies gelang ihm jedoch nicht auf Anhieb, sondern erst nach einschlägigen Erfahrungen mit eigenen und fremden Werken, etwa Schuberts «Wanderer-Fantasie», in der alle Sätze aus einem identischen thematischen Kern erwachsen.
Diese Idee prägt auch das Klavierkonzert A-Dur. Es ist einsätzig, besteht aber aus zahlreichen, in Tempo und Charakter unterschiedlichen Abschnitten. Der zu Beginn von den Holzbläsern vorgestellte Gedanke dient hierbei als roter Faden – nicht im Sinne eines klassischen Hauptthemas, sondern als Erfindungskern, der je nach Umgebung in neuer Gestalt erscheint. So entspinnt sich im Mittelteil des Konzerts ein zarter Dialog zwischen Solocello und Klavier über eben dieses Thema, während es gegen Ende des Stücks als Triumphmarsch wiederkehrt. «Mit wenig Bausteinen ein musikalisches Gebäude errichten», so umriss Liszt sein Verfahren.
Eine «griechisch schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen», so charakterisierte Robert Schumann die 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Das war lobend gemeint, doch im Zuge der heroischen Beethoven-Rezeption hatte es das B-Dur-Werk immer schwerer, sich gegenüber seinen Schwesterwerken, den pathetisch-trotzigen Nrn. 3 und 5, zu behaupten. Alles ist hier auf klassisches Mass zurückgedrängt, die formale Anlage ebenso wie die thematische Gestalt, das Ganze zudem mit einer ordentlichen Prise Humor gewürzt.
Unterschätzen sollte man die Vierte allerdings nicht. Hinter ihrer freundlichen Fassade versteckt sich nämlich ein ästhetisches Programm, das eine Errungenschaft, die Beethoven von seinen Vorbildern Haydn und Mozart übernommen hatte, auf die Spitze treibt: das Denken in Polaritäten. Jeder Einzelsatz dieser Sinfonie arbeitet dezidiert mit Kontrasten: Moll gegen Dur, Fanfare gegen Melodie (erster Satz), Gesang gegen Marsch (zweiter Satz), Zweier- gegen Dreierrhythmus (dritter Satz), Energie gegen Erstarrung (vierter Satz). Und in allen vier Sätzen prallen diese Gegensätze irgendwann musikalisch aufeinander – nur werden die daraus entstehenden Konflikte, anders als in den Werken tragischen Charakters, rasch wieder beigelegt, abgelöst durch Witz und Überraschungseffekte. Dieser Befund spiegelt sich übrigens in der Entstehungsgeschichte der Vierten, die parallel zur Sinfonie Nr. 5 komponiert wurde, gleichsam als deren Alternative. Nicht immer klopft das Schicksal drohend an die Pforte; manchmal spielt es auch augenzwinkernd Komödie.

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Biographie

Ein wenig seltsam ist es schon, dass der Ungar Iván Fischer im deutschsprachigen Raum erst so spät auf sich aufmerksam machte. Nach einer Ausbildung als Pianist, Geiger und Cellist, nach Kompositions- und Dirigierstudium in Budapest und Wien arbeitete er als Assistent Harnoncourts in Salzburg, doch sein Durchbruch gelang ihm in England: 1976 Sieg beim Dirigentenwettbewerb in London, 1979 Chefposten bei der Northern Sinfonia, 1982 Welttournee mit dem London Symphony Orchestra. Im Anschluss widmete sich Fischer verstärkt Aktivitäten in der Heimat, v.a. dem Aufbau des Budapest Festival Orchestra. Mit dessen Siegeszug durch die internationalen Konzertsäle wurde auch Fischer die gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Neben Gastdirigaten in den USA und Grossbritannien übernahm er die musikalische Leitung des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt. Seine CD-Einspielungen von Werken Mozarts, Mahlers und Bartóks errangen zahlreiche Preise, darunter den Gramophone Award, den Diapason d’Or und eine Grammy-Nominierung. 2006 erhielt Fischer, der auch komponiert, die höchste ungarische Auszeichnung für Künstler, den Kossuth-Preis.

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