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13. - 14. Nov '17

Tournee II
13. - 14. Nov '17

David Afkham

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Konzertprogramm Genf und Zürich

Bildhafte Überschriften finden sich in Claude Debussys Schaffen häufig, der allgemein gehaltene Titel „Images“ sogar mehrfach. Kurz nach der Jahrhundertwende arbeitete Debussy parallel an einem Klavier- und einem Orchesterzyklus, die beide diesen Titel tragen sollte. Die Fertigstellung des Orchesterwerks zog sich allerdings deutlich länger hin. Erst 1912 lagen die insgesamt drei Stücke vor, die in jeweils unterschiedliche musikalische Landschaften führen: „Gigues“ nach England, „Ibéria“ nach Spanien, „Rondes de printemps“ nach Italien.

Das längste und gewichtigste dieser drei „Bilder“ ist das mittlere, „Ibéria“; es hat sich auch – nach einer höchst kontrovers verlaufenen Premiere – als das bei weitem populärste erwiesen und wird gern separat aufgeführt. „Ibéria“ besteht selbst wiederum aus drei Teilen, die ineinander übergehen: Auf eine Strassen- folgt eine Nachtszene, zuletzt dämmert ein Festtagsmorgen heran. Das gesamte Stück ist entscheidend vom Rhythmus geprägt: Kastagnetten grundieren das geschäftige Treiben in der Stadt („Par les rues et par les chemins“), während im Mittelteil ein extrem verlangsamter Habanera-Rhythmus durch die flirrende Atmosphäre schimmert („Les parfums de la nuit“). Mit der Morgensonne zieht von ferne ein Marsch heran, um den herum sich weitere folkloristische Einsprengsel gruppieren („Le matin d'un jour de fête“). Klangmalerei also oder, um einen Begriff Debussys zu verwenden: évocation. Er habe sich, schrieb der Komponist anlässlich der Uraufführung, „bemüht, für das Ohr die Eindrücke des Auges zu übersetzen“.
Die „Nächte in spanischen Gärten“, Manuel de Fallas wohl bekanntestes Orchesterwerk, gelten als Liebeserklärung des Komponisten an seine andalusische Heimat. Und das zu Recht, entstand der dreisätzige Zyklus doch wesentlich in Paris; hier, in der Metropole, „malte ich die spanischen Nächte vielleicht noch schöner, als sie in Wirklichkeit sind“, so de Falla rückblickend.

Andererseits wäre das Stück ohne die künstlerischen Anregungen, die de Falla in Paris empfing, nie entstanden. Während er zuhause in Spanien mit Missachtung gestraft wurde, bestärkten ihn Kollegen wie Dukas und Ravel auf seinem kompositorischen Weg. Ein weiterer Exilant, der Pianist Ricardo Viñes, riet de Falla, das ursprünglich für Klavier konzipierte Material zu einem grossen sinfonischen Werk auszuarbeiten. Zur Uraufführung kam es erst 1916, sieben Jahre nach den ersten Entwürfen.

Stilistisch stellen die „Nächte in spanischen Gärten“ eine Mischung zwischen Klavierkonzert und Tondichtung dar; de Falla selbst bezeichnete sie als „sinfonische Impressionen“. Von ihren zum Teil konkret benannten Schauplätzen (Granada, das Hinterland Córdobas) abgesehen, gibt es keine programmatischen Hinweise. Dass beim Hören dennoch sehr plastische, farbenreiche Bilder entstehen, liegt an de Fallas fantasiereicher Klangregie, einer Kombination von andalusischen Themen, arabischem Musikgut und impressionistischer Instrumentierung. Der solistische Klavierpart ist sehr brillant gehalten, aber stets in das orchestrale Stimmengewebe eingebunden.
Für Maurice Ravel war Spanien, das Geburtsland seiner Mutter, eine Art Sehnsuchtsraum, Projektionsfläche für ganz persönliche Bilder und Stimmungen. Bereits die 1895 komponierte Habanera für zwei Klaviere, eines seiner frühen Meisterwerke, setzt auf spanisches Kolorit, allerdings nur indirekt: Sie verzichtet auf Originalweisen, und selbst der berühmte Habanera-(Tango-)Rhythmus droht hinter einem Schleier von Triolen zu verschwinden. Das Stück gehört zu einer Sammlung, der Ravel den vielsagenden Titel „Sites auriculaires“ gab, auf Deutsch etwa „Erlauschte Landschaften“.

Zwölf Jahre später ergänzte er die Habanera um drei weitere Spanien-Sätze – eine Nachtszene, einen Flamenco-artigen Tanz und ein rauschendes Fest – zur „Rapsodie espagnole“ und orchestrierte den Zyklus anschließend. Mit diesem ersten Vorstoss in die Orchesterwelt der Spätromantik landete der 32-jährige Ravel einen beachtlichen Publikumserfolg und bewies ganz nebenbei erstaunliches instrumentatorisches Geschick. Die Ensemblefassung der Rhapsodie lässt die ursprüngliche Klavierversion nicht nur vergessen, sondern überflügelt sie in klanglicher wie emotionaler Hinsicht deutlich. Durch spezifische Spieltechniken wie Glissandi, Flageoletts, Triller in extremen Lagen, gezupfte oder gedämpfte Töne erzielt Ravel eine räumliche Tiefe, wie sie kein Pianist erzeugen kann. Das Resultat sind differenzierteste Farbnuancen, ein unablässiges Schwanken des Klangbilds, vom fahlen Auftakt bis zum orgiastischen Rausch der Schlusstakte.
Für den „Feuervogel“ liess Igor Strawinsky sogar eine Oper liegen. Im Herbst 1909 hatte der junge Komponist gerade den 1. Akt der „Nachtigall“ nach Andersen beendet, als er ein Telegramm von Sergej Dhiagilew erhielt: ob er ein Stück für dessen in Paris gastierende Ballettkompagnie schreiben wolle. Strawinsky, ausserhalb seiner Heimat noch völlig unbekannt, ergriff die Gelegenheit beim Schopf und sagte sofort zu.

Dhiagilew und seine Mitstreiter, der Choreograph Michail Fokin und der Kostümbildner Léon Bakst, hatten Sujet und Handlung des Balletts bereits entworfen. Sie bedienten sich dabei dreier Erzählungen aus der berühmten Sammlung „Russische Volksmärchen“: Iwan Zarewitsch fängt den mythischen Feuervogel, schenkt ihm das Leben und besiegt mit seiner Hilfe den Zauberer Kastschei.

Auf diese märchentypische Konstellation mit klarer Rollenverteilung von Gut und Böse, Hell und Dunkel antwortet Strawinsky mit einem ähnlich klaren kompositorischen Rezept, das er freilich bis ins Kleinste ausdifferenzierte: Iwan und seine Braut werden durch diatonische Melodien charakterisiert, Kastschei durch Chromatik, der Feuervogel durch zusätzliche Intervalle. Ein Modell, das Strawinsky bei seinem Lehrer Rimsky-Korsakow studiert hatte, wie auch die glänzende Instrumentierung dem Älteren verpflichtet ist. Weitere Vorbilder sind Tschaikowsky (Figurenzeichnung) und Mussorgsky (der hymnische Schluss); harmonisch dagegen geht das Werk selbstbewusst neue Wege. Aus der Ballettmusik stellte Strawinsky selbst 1919 eine Orchestersuite zusammen.

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Biographie

David Afkham ist eine Ausnahmeerscheinung unter den jungen Dirigenten der Gegenwart. Der 1983 geborene Sohn eines Iraners und einer Deutschen lernte früh Klavier und Geige, errang Preise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und wurde mit 15 Jungstudent in seiner Heimatstadt Freiburg. Diverse Stipendien und Auszeichnungen schlossen sich an, zudem assistierte er an mehreren europäischen Spitzenorchestern, darunter beim Concertgebouw, wo Bernhard Haitink sein Mentor wurde. Die Liste der Ensembles, mit denen Afkham bereits gearbeitet hat, ist lang, sie reicht von den Philharmonikern von Boston, Chicago und Los Angeles bis zum Philharmonia Orchestra London, dem Orchestre National de France und der Staatskapelle Dresden. 2013 dann der Ritterschlag, als das Spanische Nationalorchester den 30-Jährigen zum Chefdirigenten kürte. Angst, dass diese steile Karriere ihm zu Kopf steigen könnte, braucht man nicht zu haben, denn: „Mir geht es immer nur um die Musik.“

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