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15. Mrz '20

Konzert
15. Mrz '20

Andrés Orozco-Estrada

Tournee

Konzertdaten und Orte

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Programm

Zu Beginn jedes Konzerts erhalten talentierte Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten aus der Schweiz Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Eine «Ouvertüre» in doppelter Hinsicht: nicht nur als Einstimmung auf den Konzertabend, sondern auch als Türöffner für «Unsere Stars von morgen».


Ouvertüre

So manch ein Werk, das heute als Klassiker der Geigenliteratur gilt, hatte es anfangs schwer. Wie die Violinkonzerte Beethovens und Tschaikowskis stiess auch das D-Dur-Konzert von Johannes Brahms (1878) auf Skepsis: Brahms war schliesslich Pianist, kein Streicher. Zudem dachte er in sinfonischen Strukturen, pure Virtuosität war ihm ein Gräuel. Pablo de Sarasate, einer der grössten Geiger seiner Zeit, brachte die Vorbehalte gegen op. 77 auf den Punkt, als er lästerte, er wolle nicht mit dem Instrument in der Hand der einzigen Melodie des ganzen Stücks lauschen. Bei dieser Melodie handelt es sich um das in der Tat berückende Oboensolo zu Beginn des zweiten Satzes. Was Sarasate verkannte: dass Brahms weder auf gesanglichen Schmelz noch auf instrumentale Brillanz verzichtet, beides allerdings in ein komplexes kompositorisches Gefüge einbindet. Solist und Orchester sind absolut gleichberechtigt, und das von Beginn an: So herrscht im ersten Satz bei der Vorstellung der Hauptthemen geradezu brüderliche Eintracht.
Auch im Adagio hat die Oboe zwar das erste, die Sologeige aber das zweite und vielleicht wichtigere Wort, indem sie die Bläsermelodie weiterführt, umformuliert und so den Ablauf des Satzes entscheidend bestimmt. Im Finale treibt Brahms die Gleichberechtigung der Partner augenzwinkernd auf die Spitze: Während die Orchesterinstrumente virtuose Begleitfiguren einwerfen, übt sich der Solist konsequent in Mehrstimmigkeit. Weitere Glanzstückchen aus dem Inventar der Kontrapunktik verbirgt Brahms geschickt hinter dem ungarischen Flair des Satzes.
«Don Juan» gehört nicht nur zu den ersten Tondichtungen von Richard Strauss, sondern auch zu den interessantesten. Anders als bei späteren Werken – dem «Till Eulenspiegel» oder der «Alpensinfonie» zum Beispiel – schwieg sich Strauss über das Programm, also den Inhalt des Stücks, aus. Die Passagen aus Lenaus Versdrama, die er der Partitur voranstellte, ergeben lediglich ein Psychogramm des Helden; von einer «Handlung» kein Wort. Und doch lässt sich diese als Reigen von Liebesabenteuern, von Werbung, Eroberung und Abschied leicht nachvollziehen.
Das liegt v. a. an der Prägnanz der Themen, die so plastisch gestaltet und raffiniert instrumentiert sind, wie es wohl nur ein Richard Strauss vermochte. Dem überschäumenden Elan der Anfangstakte wird sich kein Hörer entziehen können – mit dieser auffahrenden Gebärde tritt, nein: stürmt Don Juan selbst auf die Bühne. Später beruhigt sich die Musik, sorgt für Intimität und solistisches Liebesgeflüster (Geige, Flöte, Oboe). Aufhalten lässt sich ein Don Juan davon nicht, im Gegenteil, seine Auftritte klingen zunehmend selbstbewusst – um ganz zuletzt, auf dem Gipfel des Triumphs, umzuschlagen in Melancholie und Lebensüberdruss. Und genau diese Kombination aus kraftstrotzender, sexuell grundierter Diesseitigkeit und fahlem, ersterbendem Abgesang in Moll fügt sich nahtlos in die Entstehungszeit (1888) der Tondichtung ein: eine von Fortschrittsglauben und Optimismus geprägte Epoche, die aufkommende Endzeitstimmung nur mühsam kaschierte. «Don Juan» wurde Strauss’ erster grosser Erfolg.
Eine Rokoko-Oper im Jahr 1911? Aus der Feder zweier Künstler, die man eher der Avantgarde zurechnete? Es gab durchaus Grund, dem neuen Projekt von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal mit Skepsis zu begegnen. Nach den hochambitionierten Vorgängerwerken «Salome» und «Elektra», letztere auf einen Hofmannsthal-Text, wirkte der «Rosenkavalier» wie eine Flucht in die heile Welt von 1740. Dem widersprach der Dichter mit der Bemerkung, es sei «mehr von der Vergangenheit in der Gegenwart, als man ahnt». Eine gewisse Aktualität, oder besser Überzeitlichkeit, gehört im «Rosenkavalier» also zum Konzept. Weshalb Strauss hier auch bewusst auf den Paradetanz des 19. (nicht des 18.) Jahrhunderts zurückgreift, auf den Wiener Walzer nämlich – ganz zu schweigen von seinem eigenen Personalstil, der zwar die Modernismen der «Elektra» meidet, aber immer noch erkennbar zeitgenössisch ist. Inhaltlich spiegelt sich diese Haltung im Vergänglichkeitsmonolog der Feldmarschallin: «Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding.»
Vordergründig arbeitet der «Rosenkavalier» mit den üblichen Versatzstücken einer musikalischen Komödie, mit Intrigen, Verkleidungen und Liebe auf den ersten Blick. Auch die Figuren sind bekannt: der lüsterne Baron, die alternde Dame, das junge Liebespaar. Hinter diesen Typisierungen aber werden immer wieder die Menschen erkennbar, ihre Selbstzweifel, ihre inneren Widersprüche. Aus der Musik zur Oper wurde viel später (wohl 1944 durch Arthur Rodzinski) eine Orchestersuite zusammengestellt, die nicht der Handlung folgt, sondern mit einer rauschenden Walzerepisode endet.

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Biographie

Andrés Orozco-Estrada stammt aus Medellín, doch seine musikalische Karriere ist eng mit der Stadt Wien verbunden. Hier studierte er sechs Jahre lang Dirigieren, feierte 2004 seinen Durchbruch als Einspringer mit Bruckners Vierter und wurde 2009 zum Chef des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich gekürt. Nach weiteren Leitungspositionen in San Sebastián und Houston folgte 2014 mit dem Wechsel an die Spitze des hr-Sinfonieorchesters der nächste Karrieresprung. Und der übernächste steht 2021 an, wenn Orozco-Estrada erneut ein Wiener Orchester übernehmen wird, die Symphoniker nämlich. Dazwischen liegen seine Debüts mit den Berliner Philharmonikern (2017), bei den BBC Proms und den Wiener Philharmonikern (beide 2018). «Ich dirigiere um mein Leben!», bekannte er einmal, und tatsächlich machte ihn seine mitreissende, hochemotionale Art sowohl in Frankfurt wie im Baskenland zum Publikumsliebling. Das Land Österreich drückte seine Zuneigung auf offizielle Weise aus: durch Verleihung der Ehrenstaatsbürgerschaft an den Kolumbianer.

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